John Glossi, die unbekannte Schöne und das Geheimnis der Süderelbe……Teil VI

Nach der großen Sturmflut machten die Aufräumarbeiten an der Süderelbe gute Fortschritte. Adi Balber’s Werft hatte nicht soviel Schaden ab bekommen, die Arbeiten an den Schiffsmotoren samt Propellergondel verliefen, nach der Modifizierung der Motoren von Jan Friede und Fiete Buschmann, nun reibungslos. Paul Siter’s hatte extra einen Schleppdampfer mit einem 300 PS Motor auf Podantrieb umgerüstet. Paul baute immer praxisnahe Modelle, da er sich auf dieser Art ein besseres Bild über mechanische Schäden an Propeller und Schiff machen konnte. Die Kavitationsblasen des Schleppdampfes ‚Little Marie‘ verschleißten eine Menge Material. Es dauerte bis der Stahlrumpf des neuen Fischkutters ‚Marie‘ allen Belastungen gewachsen war und die Flügelschrauben an der Propellergondel die Kraft der Antriebswelle richtig tarierten. Carsten Külln am Köhlfleet brauchte noch ein paar Tage, bis die Bahnen der Slip für die neuen Kutter angepasst waren. Im ständigen Austausch mit Jan und Arne Olker freute er sich auf eine kleine Abwechslung vom täglichen Einerlei.

Bei einer Probefahrt mit dem Paul Schlepper nach Rosslare konnte Carsten gleich mehre Dinge auf einmal erledigen. Arne mußte sich die geeigneten Treffpunkte selbst anschauen, es sollte vor den Augen der jeweils einheimischen Küstenwache und Zollbehörden mitten auf der Nordsee eine perfekte Verwechslungskomödie der Fischkutter und Trawler statt finden. Der Stapellauf der Typ gleichen Smacks in Falmouth von der Mathew Frost Werft und in Rosslare von Bodine Brady stand kurz bevor. Carsten schnitt ein Foto eines Kartenausschnitts von der Elbinsel Finkenwerder in drei Teile, auf der Rückseite skizzierte er schnell die wichtigen Punkte, damit die befreundeten englischen und irischen Werftbesitzer Ihre Reparatur- und Umschlagplätze auf Hamburg – Finkenwerder finden konnten. Der anwesende Michel Föltz war unter Deck damit beschäftigt die Schiffszeichen anzubringen. Da sich das dafür gefertigte Drehgewinde schlecht bei laufender Fahrt justieren ließ, hämmerte er wie ein Wilder auf die Emaille beschichteten Schilder herum und verkantete dabei die Buchstaben. Endlich war Michel fertig geworden. Alle Mann an Bord standen am Bug kopfüber an der Reling um auf die Seezeichen zu schauen. He kann Kattenschiet in Düüstern rüken, aver Hochdüütsch kann he nich schrieven. Michel, wir fahren im Moment unter deutscher Flagge, also ändere die Buchstaben von F H auf H F ab, Du Hirni“, gröhlte Arne Olker zu Föltz rüber. Mit einem Klei mi am Moors“, schmetterte Michel einen hohlen vierkantigen Rohling auf die Heckseite des Schleppers.He mööt jau weten, wo ick de Doos fastmaken sull“, kam es von der Föltz zurück. Du büst bedröövt ?, nu klamüüster mol wat ut Michel“, versuchte Arne Olker Michel Föltz zu beruhigen. „Wenn Du es bis Falmouth schaffst den Vierkant zu verstecken, bekommst Du eine extra Buddel Kööm von Mathew Frost“, rief Carsten Michel zu. Mit breiten Grinsen verschwand Föltz wieder unter Deck. Erleichtert hörte die ganze Besatzung wie Michel wieder mit Zange und Vorschlaghammer das Schiff bearbeitete.

Bei Einfahrt in den Hafen von Falmouth schaute Arne Olker ganz überrascht auf einen fertig getakelten Fischkutter ‚Marie‘ an der Frost Wert. Schnell machte der Schlepper am Werft Steg fest. Neugierig betraten die Finkenwarder Jungs den Fischkutter und staunten. Das angebrachte Dyna-Rigg Schiffssystem mitsamt Mast war fertig. Mathew Frost’s Werftarbeiter enterten als Gegenbesuch sofort die ‚Little Marie‘, um zu sehen, wo Michel die Bonbonschachtel versteckt hatte. Mit einem Mast, Kiel- und Schotbruch, begrüßte Michel die englische Crew. Er legte seinen großem Schraubenschlüssel beiseite, machte einen Witz über seinen verschießenden ‚Engländer‘, zeigte die gefundenen zwei Möglichkeiten, wo die Diamanten versteckt werden konnten. Einer der Hafenarbeiter schenkte Michel einen neuen verstellbaren ‚Franzosen‘ Schlüssel. Mathew Frost war begeistert von der Idee mit dem pneumatischen Schachtel Verschluss. Er wollte bei nächster Gelegenheit die drei findigen Tüftler Gorgio, Edgar und Walter kennen lernen. Über den kleinen Kartenausschnitt freute er sich. Er gab Carsten für Jan Friede die Koordinate 50°08’59.0″N 5°03’46.0″W mit. Am nächsten Tag fuhr ‚Little Marie‘ Richtung Irland. Ein paar Stunden später landete sie in Rosslare. Bodine Brady’s Fischkutter stand auch kurz vor dem Stapellauf. Im Ruderhaus wurde mit Arne Olker die Innendekoration abgestimmt. Die irische Schiffsbesatzung wollte einen drehbaren Schubschrank am Ruder haben. Carsten Külln hatte die Aufgabe Michel schonend darauf vor zu bereiten was auf dem nach Hause Weg für Ihn an stand. Bodine erhielt ebenfalls einen Kartenteilausschnitt, die mit geschickte Koordinate für Jan Friede war 51°53’50.0″N 8°28’23.0″W . Die Heimfahrt verlief ohne besondere Vorkommnisse.

Dann machen wir mal eine Bestandsaufnahme“, mit diesen Worten eröffnete Adi in seinem Büro die kleine ‚Finkwarder Böntje Konferenz‘. „Unser Fischkutter ‚Marie‘ ist Anfang März fertig und kann dann zu Wasser gelassen werden. Da uns der 16./17 Februar immer noch in den Knochen steckt, möchte ich zu meinem Gartenfest im Sommer diesen Jahres einen Preisskat ausloben, mitmachen kann jeder, Einsatz 5 Mark…“, „Was ist denn der erste Preis ?“, unterbrach Michel Föltz Adi ’s Vortrag. Bevor Balbers antworten konnte, zischte Paul Sitter ein gefährlich klingendes „Schnauze“, in die Runde. Ohne auf die Frage ein zugehen, verlaß Adi nun die Crewmitglieder, nannte die Werften und machte zum Schluß seiner Rede klar, daß die gekauften Diamanten ein Notgroschen für bedürftigen Familien auf Finkenwerder sein. „Jedes Mitglied dieser Konferenz hätte bei einem erfolgreichen Törn und bei vollen Netzen der HF Fischkutter einen Anspruch auf einen Bontje im Wert von bis zu 200 Mark. Natürlich bleibt es jedem überlassen diesen Vertrauensbeweis beim Zoll zu deklarieren, aber bitte vernünftig mit Kaufurkunde und Zertifikat…“, „Alle bekommen zwei Bontje“, wurde nun Adi von Paul Siter unterbrochen. Jan Friede nickte den Vorschlag von Paul ab und setzte mit den Worten nach: „De Süderelv wird to mokt“. Auf einmal war es Totenstill im Raum.

Bis zum nächsten Mal, wünsche ich einen schönen Sonntag. Es grüßt ein Exil lebender Hamburger in NRW

Erdi Gorch Fock

John Glossi, die unbekannte Schöne und das Geheimnis der Süderelbe……Teil III

Ein herrlicher Sommertag an der Süderelbe, so um 1961 stand in Adi Balbers Haus eine Gartenparty an. So was war immer eine gelungene Abwechslung in Finkenwerder, mit befreundeten Werftbesitzern wie Arne Olker und Carsten Külln herum sitzen, beide gleichzeitig auch direkte Konkurrenten von Balbers, dazu noch Nachbarn, ortsansässige Zulieferer einladen, mal die Sorgen und die harte Arbeit ruhen zu lassen. Adi legte viel Wert auf intakte geschäftliche Beziehungen, ein Nachmittag mit „dale apen in sien lütten Huus“ war angesagt. Macher und Arbeiter saßen gemeinsam unter einem Dach, ein bunter Haufen von Leuten aus Altenwerder, Finkenwerder, keiner blieb vor der Tür stehen. Selbst Paul Siter von der Este kam aus Neuenfelde mit seiner Truppe vorbei um zu feiern. Im Verlaufe des abends erschien mit Jan Friede, leicht verspätet der letzte Werftbesitzer aus dem Süderelbe Raum.

Er hatte einen speziellen Gast aus Fuhlsbüttel abgeholt. Fiete Buschmann war mit seinem neuartigen Schiffsantrieb viel unterwegs. Fiete freute sich auf diese einmalige Gelegenheit, seinen Podantrieb vorzustellen. Der gesamte Schiffsbau in Norddeutschland befand sich im Umbruch, es wurden immer mehr Stahlschiffe gebaut und diese Entwicklung machte auch nicht vor den heimischen Fischkuttern in Finkenwerder halt. Die anwesenden Werftbetreiber verzogen sich, anführt von Adi, in die gute Stube, lauschten gespannt dem Vortrag von Fiete. Schnell erkannte Jan Friede und Carsten Külln die Möglichkeiten, die sich den kleinen Werften boten. So neigte sich ein interessanter Abend dem Ende zu, klönend wurden noch etliche Bierchen getrunken, jeder freute sich auf gemeinsame gute Geschäfte.

Die letzten Gäste verabschiedeten sich mit einem Hol jo stief , winkten den feinen Herren zu und sahen, wie Adi, Paul und Jan Skat spielten. „De grandessigen Dassels woren begäng an grooten Disch“. An diesem Abend wurden „in kleinen Gruppen“ die Anteile am gemeinsamen Projekt ‚Schleppdampfer mit Podantrieb‘ an der Süderelbe ausgespielt. Paul hatte Glück und gewann das Recht den Schlepper in Neuenfelde zu bauen, Adi ramschte sich die Anteile für den Einbau des Motors zusammen. Am frühen Morgen stand Jan als Verlierer fest, nun hatte er für die Forschung und Fertigstellung zu sorgen. Die anderen Moker’s bekamen wichtige Nebenarbeiten ab. Die kommenden Zeiten zeigten, wie es mit der HF Fischkutter Fangflotte weiter gehen sollte. Arne Olker brachte Fiete Buschmann wieder zum Flughafen. Wenn alles nach Plan verlief, würden sie sich alle wieder im Sommer 1962 zum Stapellauf des ersten Schiffes wiedersehen.

Ein paar Tage später schritten Edgar Glossi und Walter Janz die Uferböschungen an der Süderelbe ab. Mit ein paar Holzstäben prüfen sie wie tief die Elbe an den verschieden Uferstellen war. Von den Reusen am Storchennest bis zur Ausfahrt in den Hauptarm der Elbe waren auf knapp 400 Metern drei Werften verteilt. Am Ende der Süderelbe ankommen trafen sie auf Giorgio Branduardi, der sich mit Besenstiel und krumm gebogenen Nagel bewaffnet daran versuchte sich sein Mittagsessen zu angeln. „Buongiorno mi amici“, kam es von Giorgio, „Wat hett he seggt?“ kam es von Walter rüber, Salve mio amico“ kam es von Edgar heraus. „Na dann man to“, erwiderte Walter ohne weiter auf die Kommentare der beiden einzugehen. Man kannte sich schon eine Weile und neckte sich gerne. Branduardi hatte in den frühen Morgenstunden die Slipanlage samt Gelände von Arne Olker neu vermessen.

Er berichte seinen Freunden, daß noch viel Arbeit auf sie zu kommen würde, bis die Bautenzüge an den Seilanlagen zum heben und senken in der Länge an das Gewicht der Stahlschiffe abgestimmt waren. „Die Helling ist nicht das Problem, der Helgenbock, der Holzschlitten, die Rampen müssten verlängert und die Unterbahnen alle verstärkt werden. Wie sieht es mit der Böschung aus ?“ Neugierig schaute Giorgio in die Runde. „Allens klor“, machte sich Walter Luft, „die ganze Uferseite muß mit Stahlträgern geflechtet werden, dagegen war der Bau der Abdeichung des Ijsselmeer ein Klacks, würde mein alter Herr sagen“. In diesem Moment schwammen einzelne Holzlatten an Ihnen vorbei. Walter kam aus dem schmunzeln nicht mehr heraus, hatte Edgar doch behauptet, das die tatsächliche Versandung der Süderelbe nur ein Gerücht sei und ein paar eingerammte Stahlhaken im Uferboden ausreichen würden um sicher die Stahlschiffe ins Wasser zu lassen. „Ich muß mal darüber nach denken“, meldete sich Giorgio wieder zu Wort: „Wie wäre es, wenn wir die Unterbahnen länger ins Wasser lassen und mit flut baren Containern justieren?“ „Meinst Du mit Pallen ? Wie im Trockendock 17 ?“ mischte sich Egdar ein: „Das klingt genauso banal wie der hohle Balkenkiel bei den Dampfern, womit wir unsere Bontjes transportieren. Wir müssen uns mit den anderen aus Fanø und Rosslare unterhalten, damit wir die Zeichen passend haben. Hoffentlich klappt es und wir bauen wieder Typen gleiche Fischkutter“, resümierte Walter.

Heute wollte kein Fisch mehr anbeißen, man trennte sich und informierte seine Auftraggeber. Hoffentlich fiel Jan Friede was zu den ersten Antriebszeichnungen von Fiete Buschmann ein, was noch wichtiger war, wo sollte man nun die Diamanten platzieren ?

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Bis zum nächsten Mal, wünsche ich einen schönen Sonntag. Es grüßt ein Exil lebender Hamburger in NRW

Erdi Gorch Fock

 

John Glossi, die unbekannte Schöne und das Geheimnis der Süderelbe……Teil II

Hoffentlich kann der lütte John meine Schrift lesen“, mit achter sinnigen Gedanken und durchwachsenen Gefühlen machte sich Walter wieder zum Süderdeich auf, ein gutes Stück durch einen diesigen Novemberabend, der es heute in sich hatte. Elbe abwärts des angelegten Rüschparks nahm der aufkommende Nebel das ganze Gebiet bis zum Neßdeich in seinem Besitz. Um jede spärlich aufgestellte Straßenlaterne bildete sich ein glasiges Milchauge. Motorgeräusche waren auf der Straße zu hören, langsam fahrend kam ein Auto näher. Für einen kurzen Moment blickte Walter auf den vorbei fahrenden Wagen, bevor dieser wieder in der dicken Nebelsuppe verschwand. Hinter her schauend versuchte Walter die Automarke heraus zu finden: Ein Mini, ein Fiat, ’ne 500’er Knutschkugel, alles nicht mein Fall.“ Ziemlich durch froren stieg er in den 150’er an der Nordmeerstraße ein, knappe 3 Minuten später erreichte der Bus die Westerweiden, noch den Weg runter zum Süderdeich: Ist een Klacks för’n Hamburger Jung“, fröhlich summte Walter vor sich. Zu Hause angekommen, konnte Ihm der smüsche Regen nichts mehr antun. Zu sich selbst sprechend: Nu hebbt wi Tied in de Komood to moelen“, holte er seine Seekiste hervor. Alte Fotos, Bauzeichnungen von Schottelschleppern, Taucherhandschuhe, Diplom der Industrie- und Handelskammer …. Tauchermeister Walter Janz…. erblickten nach Jahrzehnten langer Ruhe wieder das Tageslicht. Vergilbte Lohntüten von der Schlosserei Michel Föltz, stimmten Walter verdrießlich: Verdammte Absperrung Süderelbe, hat mich meine rechte Hand gekostet, ein Stück Zeigefinger und meine Daumenkuppe. Ick ward op ewig een Deel vun de Elv blieven“. Er hatte genug gesehen, die Erinnerung kam wieder, wo die süderelbischen Werften lagen, wie es zu seinem Unfall kam. Er arbeitete mit anderen Schlossern und Bergungstauchern an der Abdeichung der Süderelbe zwischen Neßsand und dem Müggenburger Loch. Bei der Sicherung eines Blechstücks, das am Elbegrund an einem Stahlposten fixiert werden mußte, hatte sich ein Drahtseil um seine rechte Hand verheddert. Die auf Slip gelegte Schlinge zog auf einmal blitzschnell an. Zu spät bemerkten die Kollegen was geschehen war, sie konnten die Seilwinde am Bergungsschlepper nicht mehr rechtzeitig stoppen. Auf dem Transport ins Harburger Krankenhaus am Eißendorfer Pferdeweg wachte er damals für einen Moment auf und beteuerte seinem mitfahrenden Boss das „allens verteut Michel“ ist, bevor er endgültig in Ohnmacht fiel. Er war für Monate arbeitsunfähig und konnte sich in dieser Zeit auch nichts „swatt“ dazu verdienen. Dabei standen die Werftbesitzer Schlange an seiner Tür, kaum das er zu Hause angekommen war. Arne Olker und Paul Siter, durch und durch Pfeffersäcke brauchten seine Hilfe. Wie gut das Edgar Glossi und Giorgio. die kleinen Gefallen an der Süderelbe vorbereiteten konnten, bis er wieder gesund war.

Draußen war es Stockdunkel geworden, Walter merkte nun, wie er langsam müde wurde. Nach dem aufstehen morgen, wollte er als erstes nach den  Finkenwerder Bontjes an der Süderelbe suchen. Dann mit John sprechen. Edgars Sohn kannte die Süderelbe, das jetzige Naturschutzgebiet bestens. Zu dumm das so viele Jahre seit 1962 vergangen waren. Kaum erkennbar, schaute Walter auf die Flussboje, die in seinem Garten eingebettet war. Auf der Boje stand eine Koordinate N53° 31′ 42.388″ E9° 49′ 39.99.

„Gut, wenn man weiß, wo alles angefangen hatte“, dachte sich Walter und legte sich abgespannt ins Bett.

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Erdi Gorch Fock

John Glossi, die unbekannte Schöne und das Geheimnis der Süderelbe……

Wieder stand ein Wochenende an, missmutig schlenderte sich John zu seinem Bürocontainer. Beim öffnen der Tür stieg Ihm ein Mix von abgestandener Luft und altem Nikotin Qualm in die Nase. Er betrat sein heimeliges Zuhause, hier hatte schon lange keiner mehr sauber gemacht, seit Anfang der 80’ger hatte sich nicht mehr viel geändert. Transistorradio und Röhrenfernseher machten es etwas behaglicher in diesen quadratischen Räumen. Sein alter Kühlschrank, seine Funkanlage hatten schon besser Zeiten gesehen. Seine Detektei lag an einem Seitenarm der Elbe, in einer Sackstraße des Rüschkanals. Der Blick rüber nach Teufelsbrück konnte Ihm keiner nehmen. Dafür mußte er bei Hochwasser nur aufpassen und eine Fahne hissen, wenn die Uferbefestigung drohte überspült zu werden. Seine Fahne war immer gehisst, teils war er zu faul einen Blick aus seinem Fenster zu werfen, um zu überprüfen, wie hoch das Wasser stand. Der andere Grund war mehr für seine Eigenwerbung gedacht. Alles abgeklärt mit den Ordnungsamt Finkenwerder und der Hamburger Wasserschutzpolizei. Man kannte John als einen ehrlichen und robusten Haudegen…….oh wieder mittendrin……Es war einmal…….

ein Freitag, der Jolly Roger wehte leicht zerfetzt vom Dach der alten Detektei John Glossi runter. Eine leichte Brise drückte die Elbe in den Kanal hinein. John ließ seinen Blick über dem Rüschi streifen. Die nasskalte feuchte Luft legte sich auf seine alte Lederjacke nieder. Bei so ungemütlichen Wetter half nur ein Lütt un Lütt um unbeschadet und gesund durch die anhaltende Nässe des Hamburger Schietwetters zu kommen. Sein Kühlschrank im hinteren Teil seines Kombi Büro- Schafcontainers war fast leer gefegt. Mit einem Schluck aus der letzten Buddel Dornkaat, einer Flasche Astra Bier konnte er rein medizinisch gesehen nichts gegen einem aufkommenden Schnupfen ausgerichteten. So unbewaffnet und trocken in der Kehle wollte er nicht auf dem Schlafsofa einnicken, er gab diesem heimtückischen Bakterien keine Chance. Auf direkten Absatz machte er kehrt, warf sich seine Jacke wieder über, verschloss seine quietschende Haustür und ging Richtung Cafe Bauer. Einmal den Rüschweg runter, mit Blick auf die Bushaltestelle, hier stand die nicht sehr vertrauen erweckende Spelunke. Er fühlte sich wohl hier, je nachdem wie seine Laune war konnte man in diesem Schuppen knobeln oder einen scharfen Ramsch spielen. Mit einem nickenden „Moin“ begrüße er die anwesenden Gäste im Lokal. John setze sich an seinem üblichen Platz in der Ecke am Tresen. Wortlos schob Ihm die Bedienung Susi einen Doornkaat und einen halben Astra rüber. Sie kannten sich schon aus Kindertagen, waren zusammen zu Schule gegangen. Nach einem richtigen Zug aus der großen Astra Flasche lächelte er Susi an. Sie kam näher und gesellte sich gegenüber der Theke zu Ihren Freund Glossi. „Na min Deern, allens klor ?“ fing John die vertraut klingende Kommunikation an. „Wart mol min Schieter, ick mut noch de 3 Sehleute beschicken“, sie stand auf, brachte Ihre V-Takelage in Ordnung und servierte den drei auswärtigen Quitschern noch eine Runde Bier. Gekonnt schlängelte Sie sich wieder zu John. An diesem Abend war nicht viel los, nun bekam Glossi einen herzhaften seuten aufgedrückt und Susi setzte die Unterhaltung fort. „Der alte Walter war hier“ „Finger Walter“, unterbrach John Susi, „Ja Finger Walter, laß mich mal weiter erzählen. Also, Walter fragte nach Dir, wollte wissen, ob Du noch den alten umgebauten Schlepper vom Deinem Vater Edgar hast.“ „Hmmh“, brummte John ohne seine Herzdame zu unterbrechen, „Du solltest Ihn mal anrufen“Das war es ?“ fragte John nach, Susi quittierte es Kopf nickend und stellte Ihm ein neues Gedeck hin. Was wollte Walter von John, grübelnd kamen Ihm einzelne erlebte Erinnerungen hoch, von ehemaligen Zeiten, als die Rüschsiedlung noch stand, vom Rüschi, der Süderelbe, als er mit Andreas, Walters Sohn, gemeinsam angelte. Man war das lange her, sein Vater Edgar hatte Walter damals 1962 kennen gelernt, sie arbeiten gemeinsam in einer kleiner Schlosserei, an der Eindeichung der Süderelbe. Nach der Sturmflut wurde der Elbearm dicht gemacht. Nun konnte man nur noch über den Köhlbrand den südlichen Teil von Finkenwerder erreichen. Komisch was wollte Walter nur? Nach ein paar weiteren Gedecken fühlte sich John medizinisch gesehen gut gerüstet gegen Wetter, Kälte und Schnupfen. Bevor er sich verabschiede, nahm er sich von Suzi noch ein paar Flaschen mit, dann ging es gemütlich nach Hause. Aufkommender Nebel entlang des Rüschkanals begleiten Johns Gedanken. Vereinzelt hörte er Schiffsmotoren tuckern, die kleinen Jollen und Boote lagen ruhig im Wasser. Glossi sah noch mal in seinen Briefkasten, ein paar Prospekte, Rechnungen zwei kleine Zettel, mit …… er konnte es nicht richtig erkennen. Nachdem er die Tür aufgemacht hatte, nun bei Licht sah er sich die Post genauer an. Die Rechnungen legte er auf den Tisch, die Reklame legte er an den betagten Kohleofen, seine ganze Aufmerksamkeit schenkte er den beiden Zetteln. Auf einem erkannte er die Schrift, leicht verwackelt, da es als Rechtshänder mit der linken Hand geschrieben und von Walter stammte, seine Bitte nach Rückruf und seine Handynummer standen darauf. Der zweite Zettel war fließend, in schnörkelige Schrift verfasst, ein leichter Hauch von Chanel Nr.5 streifte seinen Geruchssinn. „Herr Glossi, ich möchte sie morgen um 10:00 Uhr gerne aufsuchen, vielleicht könnten Sie mir in einer verzwickten Lage weiterhelfen. Ciao Luana Branduardi“

John Glossi legte die Notiz neben Walter’s Zettel auf seinen Schreibtisch, wer war Luana Branduardi ? und wie konnte er Ihr helfen ?

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Erdi Gorch Fock

Bis zum nächsten Mal, wünsche ich einen schönen Start in die Woche. Es grüßt ein Exil lebender Hamburger in NRW

Erdi Gorch Fock