Im ständigen Wechsel ist der Staatsdiener auf der Strecke geblieben, weg rationalisiert, weg privatisiert und was nun ?


Im Arbeitsleben sollen die Arbeitnehmer flexibel sein. Früher hätte ein Unternehmer gesagt: „Der richtige Mann oder die Frau an dem richtigen Ort und Stelle und es läuft“. Diesmal möchte ich einen kleinen Einblick in den irrsinnigen Wandel von ehemals staatlichen Behörden auf den langen Weg in die Privatisierung geben. Wer glaubt, daß ich nicht richtig liege, der kann seine eigenen Recherchen machen und es selbst heraus finden, wie sich die Zeit in den gemütlichen Amtsstuben geändert hat. Fort von der Bürokratie mit Arbeitern, Angestellten und Beamten im öffentlichen Dienst stehend, die jeden Tag Ihre Aufgaben zum Wohl der Gemeinschaft machen, Ihre Aufgaben erledigen, jeden Wechsel und Kahlschlag von Standorten hin nehmen, ohne richtig zu murren und hinein in die Aktiengesellschaften und GmbH’s. „Willkommen im Konzern“…… Fangen wir an mit ……………. Es war einmal……

in dem Land Germania, da gab es Behörden wo alles seine Ordnung hatte. Wer für den Staat Germania arbeitete, hatte Glück, ganz egal in welcher Gemeinde, Kreis, Stadt, Arbeitsamt, Post, Krankenhaus u.s.w. er oder sie beschäftigt waren. Viele Generationen von Familien und Gleichgesinnten waren stolz darauf ein Teil vom großen und ganzen zu sein. Für jeden willigen Arbeitnehmer war ein Arbeitsplatz „im Amt“ vorhanden. Seit Jahrhunderten galt Germania als fleißig und korrekt. Manchmal wurden in den Regierungsformen, Ministerien und Ämtern Fehler gemacht, was es zu Kaisers Zeiten nicht gegeben hat, wurde politisch gesehen in den letzten Jahren angepasst, wurde vom Staat korrigiert und diente zum Wohle der allgemeinen Öffentlichkeit. Es gab und gibt das Beamtentum, ein Abbild von Organen, im Aufbau übertragbar auf Polizei- und Finanzebenen …….eben die die Gruppe der Berufsbeamten.

Einen Teil dieses Systems den ich in West Germania kennen lernen durfte, so ab 1980, wird von mir leicht skizziert. Ein fast vergessender Rückblick, wie es einmal war.

Geradlinig strukturiert von der oberen Ebene des Bundesministerium für das Post- und Fernmeldewesen, mittlere Ebene mit den Oberpostdirektionen ( Landespostdirektion Berlin ) bis zu den einfachen Ebenen der Fernmeldeämter wurden alle Einnahmen von den Fernsprechteilnehmern und Fernsprecheinrichtungen in die Staatshaushaltskasse abgeführt. Alles was verdient wurde (zu diesem Zeitpunkt sprechen wir von 23 Pfennig pro Einheit bei einem häuslichen Fernsprechanschluß) konnte von Bürger eingesehen und nach voll zogen werden, geregelt im Tarifvertrag für Arbeiter, Bundesangestelltentarifvertrag, in Bundesbesoldungstabellen fein säuberlich gestaffelt in A,B,C,D für Beamte. Wir sehen hier ganz klar, es wird zum Wohle der Allgemeinheit gearbeitet und bezahlt.

Den kleinen Unterschied zwischen selbst erhaltend verdient, erwirtschaftet und von Steuern bezahlt erspare ich mir hier mit der Aussage: „ Nein wir werden und wurden nicht von Steuergeldern bezahlt “, sondern aus dem Sondervermögen des Bundes, – für interessierte Leser empfehle ich einen Blick in Art.143b GG – Umwandlung des Sondervermögens Deutsche Bundespost –

Mit dieser fest eingefahren Form der Verteilung von finanziellen Mitteln läßt sich kein Geld verdienen. Bis eines Tages in Bonn, nach unzähligen Sitzungen der entscheidende Entschluß zur Privatisierung gefällt wurde. Ein Anfang vom Ende? wer weiß. Es mußten Gesetze, Orte und Beschäftigte bewegt werden. Ein langer Weg, bis es zu den durchgebrachten Postreformen (nicht zu vergessen im gleichen Zusammenhang die Umstrukturierung bei der Deutschen Bundesbahn) kam und es eine Auflockerung des lähmenden Behördenkonstrukt gab.

Nach der Auflösung der alten Behörden – 1985 bis 1994 – und Einarbeitung ( was passierte am 09.11.1989 in Germania ?) von 5 neuen Bundesändern wurden die Aktiengesellschaften, Deutsche Post, Deutsche Telekom und Deutsche Postbank ins Leben gerufen, die Geburtsstunde der Postnachfolgeunternehmen. Der alte Behördenapparat wurde geschlossen und es entstanden Niederlassungen an vielen Standorten in Bundesgermania. Aus Beschäftigten wurden Mitarbeiter. Im Jahre 1995 hatte der rosa Riese als alleiniger Aktionär nur den Bund gehabt. Ab dem 16. Mai 1995 konnte sich dann diese Volksaktie an der Börse Jedermann kaufen. Die Aktiengesellschaft machte Profit, nicht der Mitarbeiter des Unternehmens, da er am Gewinn nicht beteiligt war. Die höheren Dienstbesoldungsstufen verschwanden allmählich, hier wurden außer tarifliche Verdienststufen entwickelt. Arbeiter und Angestellte wurden zusammen gelegt und bekamen jetzt einen Tarifvertrag. Die einfache Besoldungsstufe gab es nicht mehr, es blieben die B (mittlerer Dienst) und C (gehobener Dienst) Besoldungsstufen übrig. Adieu Bundespostministerium und Oberposttrala, ich bin nun in einer Serviceniederlassung beschäftigt und wir sind flächendeckend in ganz Germania zu finden. Es wurden keine Beamten mehr eingestellt. Wozu auch, wir haben genug alte Relikte im Unternehmen herum laufen. Es herrschte Goldgräberstimmung ala „Eine germanische Karriere“ von Lee Iacocca in der neuen Townhall City.

Das nur in einer Aktiengesellschaft verdient werden konnte, konnte ja nicht lange gut gehen. Mit einem: „ Wir müssen die Mitarbeiter ins Boot holen“ gab der Konzernvorstand den Tarifangestellten was vom Kuchen ab. – Halt nicht so schnell – erst mußten intern die vielen kleinen Standorte in Germania zusammen gelegt werden. Dies geschah ohne viel Tamtam ab dem Jahre 1996 bis 1997. Alle Beschäftigten konnten oder wollten diesem Schritt nicht mit machen. Hier merkte der ‚Rosa Riese Konzern‘, daß so eine zähe Personalmasse nur mit der Peitsche und sozial verträglichen Abbaumaßnahmen zu bewegen ist. Von 2002- 2005 wurde hierfür die neu geschaffene Personal Agentur / Vivento aus dem Boden gestampft. Ein Arbeitsplatz vernichtendes Arbeitgeber Instrument war geschaffen. Umbau und Zentralisierung der Mitarbeiter, Verteilung auf andere Ämter waren die Folge. Ein Teil der Mitarbeiter konnte seinem Unternehmen nicht mehr folgen und umziehen, sie nahmen eine Abfindung und gingen. Als Zuckerbrot für die übrig geblieben wurde die 34 Stunden Arbeitswoche (bei gleichzeitigem Wegfall der Sonderzahlungen, besser bekannt als Urlaubs- und Weihnachtsgeld) und die variablen Verdienstmöglichkeiten eingeführt. In den nächsten darauf folgenden Tarifverhandlungen und nicht frei wählbar, wurde erst mal das Gehalt künstlich gedrückt, mit dem Versprechen, daß der eingebüßte Lohn von einer „15 prozentige Variablen“ am Jahresende mit Gewinn mehr als nur 100 Prozent vom ursprünglichen Gehalt liegen würde. Solange die Zielerreichungen erfüllt werden, könnten alle Mitarbeiter gute Euros verdienen und in Ihrem Rucksack nach Hause tragen. Der eingefleischte Beamter der seinen aktiven Beamtenstatus ruhen lässt und einen Angestelltenvertrag unterzeichnet, freut sich seitdem am Ende jeder Jahresperiode auf seine Zielerreichung, sprich mehr Geld im Portmonee. Nun konnte sich der neu gewonnene angestellte Konzerndiener ungebunden fühlen, war er doch wieder ein freier Mitarbeiter. Diese vom Konzern erzeugte Stimmungsdelta unter passiven und aktiven Beamten, verfehlte nicht Ihre Wirkung, da die treuen alten aktiven Staatsdiener weiterhin nach Besoldungstabelle entlohnt wurden. Zur besseren Mitarbeiterauslastung wurde ganz leise die 38 Stunden Arbeitswoche wieder eingeführt. Natürlich ohne Implementierung der alten Sonderzahlungen von früher, – näheres hierzu im Postpersonalrechtsgesetz und in der Telekom – Sonderzahlungsverordnung – mit Blick auf das Jahr 2010 wurden jetzt vom Magenta schimmernden Unternehmen Kunden-, Service-, Technik GmbH gegründet. Nun wurden die Mitarbeiter wieder in die Fläche geschickt. Seitdem sind wir innovativ germania weit an 200 Standorten für den Kunden da. Wie lange noch?

Als kleiner Untermalung von meinen youtube Kanal hierzu

Wie wird es 2015 weitergehen mit den letzten aktiven Bundesbeamten im mittleren Dienst in der Welt wo nur noch Gewinn und Profit zählt? ich bin mir sicher, daß Umbau- und Organisationsmaßnahmen mich auch dieses Jahr verfolgen werden. Getreu dem Zitat: „Nicht ist so beständig wie der Wandel“- Heraklit von Ephesus, sehe ich mich als modernen Nomaden, der fern einer Logik unbeirrt jeden Tag seinen aktiven Beamtenstatus zur Arbeit trägt und seinen imaginären Dienstherrn zeigt: „ He schau mal ich bin da, wer noch ?“

Bis zum nächsten Mal, wünsche ich einen schönen Sonntag. Es grüßt ein Exil lebender Hamburger in NRW

Erdi Gorch Fock

Grand Prix Eurovision de la Chanson, Eurovision Song Contest


In ein paar Tagen geht es los, der europäische Song Contest der Lieder und Songs startet wieder. Eine kleine Vorfreude steigt in mir schon Tage vorher auf, denn seit 1974 habe ich kaum eine „de la Chanson Veranstaltung“ verpasst. Wenn die Eurovisionshymne ( „Te Deum – Marc-Antoine Charpentier ) erklingt, sitze ich wie früher vom Fernseher und genieße jeden Moment. Als roter Faden, eine frühere Geschichte von mir……

https://erdigorchfock.com/2021/02/19/tutti-frutti-disco-und-musikladen-eine-zeitreise-in-sachen-musik-und-fernsehen/

Alles fing bei mir mit Brighton an. Meine Eltern und ich saßen auf dem Sofa in der Wohnzimmerküche. Es war gemütlich, mein Vater und ich futterten die frischen Apfel- und Birnenstückchen, die uns meine Mutter zubereitete, natürlich mit echten zweizackigen Bakelit Obstgabeln. Unser Schwarzweißfernseher sendete flimmerfrei, es brauchte niemand an diesem Abend die auf dem Dach installierte terrestrische Fernsehantenne zu justieren. Es waren immer besondere Abende, wenn Fernsehsendungen gleichzeitig mit anderen Ländern ausgestrahlt wurden. Schon beim einsetzen der Eurovisionsfanfare war pure Spannung angesagt. Zum ersten Mal hörte ich die einzelnen Punktwertungen in den verschiedenen Sprachen. Für die deutschen Vertreter war 1974 nichts zu machen, „Cindy und Bert“ holten mit der ‚Sommermelodie‘ einen der letzteren Ränge. Eine schwedische Gruppe holte sich mit Waterloo den ersten Platz. In diesen Nacht träumte ich von „one Point for West Germany, dix points pour Suède, twelve points to United Kingdom, une point du Allemagne“. Ich wachte am nächsten Morgen auf und war ABBA Fan.

Bis 1982 haben wir fast immer nur Punkte im einstelligen Bereich von den lieben Nachbarländern bekommen. Ob Mannheimer Rockröhre Joy Flemming oder Les Humphries Singers, wir erreichten den ersten Platz nicht. Was Lena Valaitis 1981, trotz Daumen drücken nicht gelang, gewann dann Nicole mit ein bißchen ‚Frieden‘. In den nächsten Jahren bekam ich wieder unsere Grand Prix Kost zu spüren. Regelmäßig lagen wir im unteren Drittel der vortragenden Länder. Aber auch Achtungserfolge, wie mit der Gruppe ‚Wind‘ waren dabei. Drei Jahre von 1998 bis 2000 schickten wir auch lustige Interpreten ( Gildo Horn, Sürpriz, Stefan Raab) ins Rennen um den Eurovisionstitel, als wollten wir den anderen Ländern damit zeigen, daß uns sehr viel daran liegt dabei zu sind und wir nicht alles so „Bier ernst“ nehmen. Natürlich ist es immer enttäuschend, wenn super Gruppen wie ‚Texas Lightning‘ oder ‚No Angels‘ nicht gewinnen. Solange auf unserem Satellite Sänger wie Lena Meyer-Landrut erfolgreich für uns streiten, schaue ich mir die Show an, auch wenn ich nicht immer alles verstehe, was da gesungen wird.

Was mir immer noch gut gefällt, sind die Vorstellungen der einzelnen Länder, die gekonnt dargestellt werden.

https://www.youtube.com/watch?v=-5uEiziWPxY

Wenn sich unsere deutschen Sangeskünstler immer im klaren sind, daß ein gewählter Vertreter auch am Song Contest mit machen soll und es nicht zu verwirrende Situationen im Vorfeld beim Vorentscheid Sieger kommt, sehe ich meine lieb gewonnene europäische Musikshow gerne an. Naschereien und Musik gehören für mich seit 1974 als Ritual dazu und wer weiß, vielleicht schneidet unsere Interpretin Ann Sophie mit Ihrem Black Smoke 2015 besser ab, als unsere Nachbarn punkten können…

Bis zum nächsten Mal, wünsche ich einen schönen Sonntag. Es grüßt ein Exil lebender Hamburger in NRW

Erdi Gorch Fock