Die fünfte Jahreszeit am Niederrhein 2016

Wer hat gesagt:“…denn einmal nur ist Karneval, ist Karneval am Rhein ?“, nicht lange überlegen… soviel steht fest, es muß ein Jeck gewesen sein…der Willi Ostermann. Denn hier am Niederrhein ist immer Karneval, besser gesagt, es herrscht das ganze Jahr der Ausnahmezustand in allen möglichen Bereichen des täglichen Lebens. Anders kann ich es mir nicht erklären, daß sich gerade zur dieser Zeit so viele kleine Interessen Klübchen bilden, die einen gehen feiern, die anderen flüchten vor dem ganzen Trubel mit Helau und Kölle Alaaf und die ganz ‚Harten‘ gehen weiter zur Arbeit, als wenn nichts besonders wäre an diesen fünf Tagen zwischen Altweiber und Aschermittwoch. Wann immer es geht, wenn ich nicht arbeiten muß, mache ich frei. Vor vielen Jahren der Liebe und des Karnevals bin ich nach NRW gezogen.

– hierzu meine Geschichte https://erdigorchfock.com/2014/10/13/der-niederrheiner-kann-alles-erklaren/

Mehr durch Zufall wurde ich in die Stadt versetzt, wo Esel Orden bekommen, also, wo ein Karnevalsorden verliehen wird. Nun in meiner neuen kleinen Karnevalshochburg staune ich fast jeden Tag, was sich hier so alles tagtäglich abspielt. Wieder mittendrin…Es war einmal…

zur Karnevalszeit im Jahre 2015 in einer kleinen Stadt am Niederrhein. Die hiesigen Karnevalsjecken bereiteten sich auf ‚Altweiber‘ vor. Bei mir auf der Arbeit kam keine richtige Stimmung auf. Zu spät hatte ich mir überlegt arbeitsfrei zu nehmen. Es wurde langsam 11:00 Uhr, ich nahm mir die Freiheit und drehte das Radio etwas lauter, um wenigstens in unserem Großraumbüro etwas Karnevalsmusik zu hören. Leider mußte ich es gleich leiser wieder drehen, da meine lieben Arbeitskollegen bei diesem Krach nicht konzentriert weiter arbeiten konnten. Meine Laune verfinsterte sich von Minute zu Minute mehr. Im Laufe der Jahre wurde uns immer mehr der Karneval von meinem Arbeitgeber vermiest, bis schließlich der freie Rosenmontag in NRW abgeschafft wurde. Es wurde 11:11 Uhr, mit einem „Helau und Kölle Alaaf“, mehr zu mir selbst sagend, setzte ich mir meine blaue Mütze, passend zu meinem Fischerhemd, auf. Der Höhepunkt des närrischen Treibens konnte beginnen. Meine Kollegen arbeiteten stur weiter vor sich hin. Unverständlich für mich, da ich es noch aus früheren Zeiten anders kannte. Da wurde sich kostümiert, unsere weiblichen Närrinnen auf der Arbeit gingen mit spitzer Scherze durch die Räume und schnitten die Krawattenspitzen Ihre männlichen Arbeitskollegen ab. Die Männer, die keinen Slips an hatten wurden die Schnürsenkel zerschnitten, ich erspare mir mal die Beschreibung was die Möhnen mit damals muffeligen Rollkragenträgern gemacht haben. Wie gesagt, es ist ein paar Jahre her, heute wird sein Tageswerk verrichtet, es lebe die Produktivität….Helau. In meiner Mittagspause kaufte ich mir einen Kalender für 2016, ich notierte mir später, als ich wieder auf der Arbeitsstätte angekommen war, die Karnevalstage des nächsten Jahres. So einen Tag wie diesen wollte ich nicht mehr erleben.

Nun haben wir 2016, ich hatte Glück und konnte an den tollen Tagen wie zu Altweiber und Rosenmontag Urlaub bekommen. Was hat sich alles in einem Jahr verändert, lasse ich mal die Politik außen vor, macht mir dieses Jahr das Wetter einen Strich durch meine schöne fünfte Jahreszeit. Wir erwarten Ruzica in NRW, einen Sturm mit Orkanboen. Die Städte Duisburg, Krefeld, Essen haben Ihre Rosenmontagszüge schon abgesagt, Düsseldorf überlegt noch, in Köln soll ‚de Zoch‘ stattfinden. Schweren Herzens stelle ich mich auf die Seite derer, denen die Sicherheit wichtiger ist. Ich werde nicht am Straßenzug in meiner Stadt mitmachen. Am Mittwoch wenn ich zur Arbeit komme, gehe ich in der Mittagspause wieder einen neuen Terminkalender für das nächste Jahr kaufen, damit ich mir meine tollen Tage in 2017 schon mal vormerken kann…Am Aschermittwoch ist alles vorbei… na wer hat das gesungen ?…Jupp Schmitz…aber den Karneval bekommt keiner mehr aus meinen Herzen…

Bis zum nächsten Mal, wünsche ich eine schöne Karnevalszeit. Es grüßt ein Exil lebender Hamburger in NRW

Erdi Gorch Fock

…. Karneval, der elfte im elften ………….

Es ist ganz ruhig hier am Niederrhein, keiner stört die Idylle. Doch einer, wie könnte es anders sein, der letzte seiner Art…… im Geiste bin ich beim Karneval, am „elften im elften“ auf dem Heumarkt zu Kölle, schunkelnd und der Narretei angetan. Kaum vorzustellen, daß hier in NRW an so einem Tag gearbeitet wird, doch im Wandel der Zeit gehen viele ganz normal zur Schicht und auf Maloche.

Die fünfte Jahreszeit hält Einzug und keiner bemerkt es, nicht bei mir. Mit Mütze und Fischerhemd ging es ab zum Bäcker. So ein Tag fängt mit schönen Rundstücken an. Der erste Schock, alle Kunden im Laden sahen aus wie immer, keiner ist kostümiert. Naja, vielleicht ist es noch ein wenig früh, wir haben ja noch etwas Zeit bis 11:00 Uhr, dachte ich so nebenbei. Meine Stimmung lasse ich mir nicht verderben, „Ein echter Jeck steckt das weg“ Auf dem Heimweg traf ich ein paar bekannte Gesichter mit denen ich ins Gespräch kam. Meine Frage, ob wir nachher alle gemeinsam etwas durch die Stadt laufen und beim Rathaus vorbei schauen, hätte ich mir sparen können. Meine Nachbarn war es etwas zu kalt um spazieren zu gehen. Auch gut, dachte ich, dann gehe ich nach dem Frühstück eben alleine los.

Es folgte der zweite Schock, mitten in unserer Stadt, stand ich alleine auf dem Marktplatz. Kein Trubel, keine Jecken und Narren, absolut nichts los. Nun wird wurde mir bewusst, daß die Leute den Karneval vergessen haben oder zumindest den Anfang verschlafen. Mittlerweile war es 11:11 Uhr geworden und mein Einmannzug machte sich auf den Weg zum Rathaus, in der Hoffnung Gleichgesinnte zu treffen. Fehlanzeige kein Mensch, außer mir, war weit und breit zu sehen, der sich zumindest ansatzweise verkleidet hätte. Es kroch in mir ein eiskalter Gedanke hoch: „Stelle Dir vor, es ist Karneval und keiner geht hin“ Was eine schreckliche Zukunft wartet auf mich. Kann mir einer mal erklären: „Wo sind all die ganzen rheinischen Frohnaturen hin, unter welchem Stein habt Ihr Euch verkrochen? He, aufwachen Ihr Karnevalisten in meiner Stadt“ Wir haben noch nicht Aschermittwoch, Karneval findet nicht nur an bestimmten Tagen statt. Wenn es so weiter geht und wir uns in NRW diese schönen Tagen weg nehmen lassen oder keiner von uns diese tollen Tage vorlebt und den Karnevalsanfang am „elften im elften“ feiert, dann braucht Ihr Euch demnächst nicht zu wundern, wenn es keinen Karneval mehr gibt.

Wieder zu Hause, fast resignierend machte ich die Glotze an, mein Programm war schnell gefunden. Hier im TV wurde aus Düsseldorf und Köln mit Jecken und Narren und rheinischen Liedern der Karneval übertragen. Als Zuschauer, nun in meinem Element, konnte ich schunkelnd mit „Helau und Kölle Alaaf“ meinen Karnevalsanfang genießen. Ich wünsche Euch eine schöne fünfte Jahreszeit…………….

Bis zum nächsten Mal, liebe Grüße von einem im Exil lebenden Hamburger in NRW.

Erdi GorchFock63