John Glossi, die unbekannte Schöne und das Geheimnis der Süderelbe……Teil IV

Mit Kreuzschmerzen leicht zerknittert vom gestrigen Abend wachte John auf seinem knarrenden Schlafsofa auf. Übellaunig kurbelte er die Jalousien hoch und blickte nach draußen. Sein VW Pritschenwagen vor seinem Container stehend, war im Nebel kam zu erkennen. Schlurfend schleppte er sich zum Kohleofen, gerade noch rechtzeitig konnte er die letzte Glut neu entfachen, nachdem sein Wasserkocher eine Kanne Kaffee fertig gebraut hatte, wurde es langsam behaglicher im Container. Sein Handy zeigte 09:45 Uhr an, Ihm fiel der Termin ein, gerade noch rechtzeitig war er in seinem Bad, das eher an eine Nasszelle glich, fertig geworden. Zum Zähne putzen reiche es nicht mehr, da es an seiner Tür klingelte.

Good Morning Mr. Glossi, I’am Cia, oh, Entschuldigung, ich bin ja in Hamburg, do you speak english ? mein deutsch ist etwas verfroren, haben sie meine Notice bekommen ?“ Die schnell gesprochen Sätze der hübschen Lady prasselten nur so auf Glossi ein. Zu viele Informationen auf einmal, John’s Gesicht mußte erst mal aufklaren. „Halt, speak slower please, come in, nehmen Sie Platz und dann noch mal langsam von vorne“ kam es von John. Mit einer einladenden Handbewegung zeige er auf den geschäftlichen Teil seiner Räume. Eintretend und leicht verdutzt schaute sich Cia um. Der Container sah nicht sehr Vertrauen erweckend aus. War das der richtige Mann den sie suchte ? Was hatte sich Ihre Mutter nur dabei gedacht, daß sie hier her kommen sollte. Aber nun wollte sie das Beste daraus machen, kramend in einer Gucci Handtasche, fingerte sie Nationali Filtro hervor, sie verschluckte sich beim ersten Zug an der Zigarette, räusperte sich „Mister Glossi, ich habe hier eine Zahlenkombination mit der ich nichts anfangen kann“, damit reichte sie John einen Zettel. Es standen die Koordinaten 52°15’20.0″N 6°20’04.0″W darauf, „Segeln Sie Frau …“ weiter kam Glossi nicht, denn mit einem schnellen „Nennen Sie mich Cia“ unterbrach sie Ihn. Ein klingeln störte die aufkommende Konversation. Hastig griff Cia in Ihrer Tasche zog Ihr Smartphone heraus, begann übergangslos das Telefonat zu führen.„Momento, …Si,…non capisco…Mom, wait a moment, i can explain you ….“ John wollte bei diesem Gespräch nicht stören, er trat vor die Tür, ebenfalls zückte er sein Handy und wählte die Nummer von Walter an, dabei bemerkte er einen kleinen roten italienischen Flitzer, der parkend an seinem Container stand. Mit einem „Oh was haben wir denn hier schönes“, steuerte Glossi langsam neugierig auf den mit Verdeck zugeklappten Alfa Romeo Spider zu. Da Walter Janz nicht zu erreichen war, beende er die Verbindung, Dank seiner geschulten Beobachtungsgabe filterte er alle Details aus dem Wagen inneren heraus, die von außen stehend durch die verdunkelten Autofenster zu sehen waren. John schätzte den Wagen auf 75.000 €, ein unbekanntes Kennzeichen aus Italien mit den Initialen CT, im Innenraum befand sich eine halb offene Sporttasche mit Schwimmflossen, ein Glasflacon von Bronnley ‚Sweet Pea‘ und ein Flugticket der Air Lingus waren gut zu erkennen, „Hier ist nichts stimmig, di Deern da drinnen spielt falsch“, bemerkte er zu sich selber. Cia öffnete seine Containertür. „Excuse me, my Mom kommt gleich…“ wieder konnte Sie Ihren Satz nicht beenden, da in diesem Moment ein Taxi in die Sackstraße einfuhr und direkt mit der Beifahrerseite vor John’s Füßen hielt. Nickend begrüßte Glossi Sven Matke, einen Aushilfstaxifahrer, der sich mit kleinen Einsätzen seine Pension aufbesserte. – in Finkenwerder kennt jeder jeden, hierzu meine Geschichte – https://erdigorchfock.com/2015/08/16/cher-und-die-verschwundenen-mini-lenkraeder-teil-iii/ – Hilfsbereit öffnete John die Beifahrertür, ein wohl vertrauter Duft von Chanel kam Ihm entgegen. „Grazie, mein Name ist Luana Branduardi, meine Tochter Kiara haben sie schon kennen gelernt ? Wissen Sie sie um was es geht ? Ah, da steht ja mein Wagen, warum hast Du nicht gewartet Kiara….?“ John mußte lächeln, ganz klar waren diese beiden Ladys miteinander verwandt. Mit einem sportlich Beinschwung stieg Luana Branduardi aus dem Sven’s Kutsche, Ihr dunkler Mantel, der breit krempige Borsalino Hut, die schwarze Sonnenbrille passten nicht wirklich ins diesige Nebelwetter auf Finkenwerder, aber ohne Zweifel diese Dame hatte Klasse. Sven riskierte noch einen abschließenden Blick auf die beiden hübschen Damen, sah dann zu John rüber, „Ich fahr dann wieder, wir sehen uns später bei Suzi“, „Allens klor, fahr vorher bei Walter vorbei, vielleicht kannst Du helfen, sage Ihm die Little John steht am Köhlfleet“ mit diesen Sätzen verabschiede sich John. Luana war schon fast am Container angekommen bevor Glossi sie wieder einholen konnte. Gemeinsam nahmen die drei Ihre Plätze drinnen am Bürotisch ein. „Na dann mal Butter bei die Fische, wieso kommen Sie in meine Detektei, gleichzeitig schenkte er seinen beiden Gästen Kaffee in die bereit gestellten Tassen ein. „Warum wir hier sind ?“, Kiara legte mit Ihren irisch – deutsch eingefärbten Wortsilben los. Sie erzählte von Fotos Ihres verstorbenen Opa Giorgio, die die beiden bei Aufräumarbeiten im Haus in Cork gefunden hatten. Während dessen legte Luana ein Fotoalbum auf den Tisch, John blätterte darin und hörte weiter zu, die Bilder zeigten seinen Vater Edgar mit Walter, ein jungen schwarz haarigen Mann, vermutlich Giorgio Branduardi, ein paar Matrosen, Fischkutter mit den Seezeichen aus HF, C und FH. Ruhig tippte John auf einzelne Bilder, „Wo sind diese Bilder aufgenommen wurden ?“ Leise flüstertend beantwortete Luana „In Catania, Sicilia auf unseren Anwesen am Simeto“, ein Lächeln huschte dabei über Ihr Gesicht. Glossi ahnte, das diese Geschichte noch etwas dauern würde, mit sicherem Griff in die Tischschublade holte er eine Flasche Doornkaat heraus und schüttete sich einen Schluck in seinen Kaffee. Luana stellte Ihre Tasse daneben und machte mit hinreißenden blinzelnden Augen klar, daß sie auch einen Hieb ab haben wollte. Kia bemerkte diese stille Charade und tippte an Ihren Kaffee Pott. Endlich wurde es interessanter, John hörte Kia genau zu und erfuhr, das Luana in Cork irische Geschichte und Mythen studiert hatte, daß diese schulische Familientradition mit Kia in Cork fortgesetzt wurde, wo als erstes, nach seiner Zeit als Bauschlosser in Hamburg, Giorgio seine Ausbildung zum Schiffsingenieur absolviert hatte. Das Anwesen auf Sizilien war der allgemeine Sommerwohnsitz der Familie Branduardi. Nun setze Luana den Endpunkt in der Erzählung, im fast fehlerfreien deutsch fragte Sie kurz und knapp nach den Finkenwerder Caramella’s, die nach Ihrer Meinung an der Süderelbe zu finden sein. Kia übergab Ihrer Mutter die Gucci Handtasche, die nun wieder den richtigen Besitzer hatte. Eine weitere Koordinate von Luana kommend lag nun auf dem Tisch 53°31’42.4″N 9°49’40.0″E

Ich soll helfen die Finkenwerder Bontjes zu finden?“, Schluss folgerte John, „da brauche ich selbst Hilfe von…“ das Funkgerät machte sich quiekend bemerkbar: „John bist Du da, geh ran“, Glossi erkannte die Stimme von Sven Matke, „Hier Rüschi eins hört, was ist los ?“ meldete sich John. „Walter ist nicht mehr, komm sofort an die Süderelbe“ antwortete Sven mit ruhiger fester Stimme, die Verbindung brach ab.

Das war ein Schock für John, er drehte sich um und sah Kia und Luana lange an. „Ich nehme Euren Auftrag an, wenn Ihr es noch möchtet, es kann schwierig und rau werden meine Seuten. Nichts für zart besaitete Geschöpfte, ich weiß auch nicht was ich heraus finden werde. Ich kann verstehen, wenn Ihr nicht weiter machen möchtet, eins vorab, Spesen und Getränke gehen extra“ machte John seinen Standpunkt klar. „Wir sind bis zum Ende dabei, ist das claro amico ?stellte Luana fordernd fest. John nickte, der neue Auftrag von John Glossi / Branduardi wurde mit einem Handschlag besiegelt. Gemeinsam mit Pritschenwagen und Alfa machten sie sich auf den Weg Richtung Süderelbe. An der Westerweide wurde Glossi und seine Begleitung an der errichteten Polizeisperre durch gelassen. John parkte auf Walter’s Grundstück. Ein nasser durchdringender Wind zog Elbe einwärts herauf…… Fortsetzung folgt…..

Wie es weitergeht ? Zum Zeitvertreib etwas von meinem Kanal…

Bis zum nächsten Mal, wünsche ich schöne Feiertage. Es grüßt ein Exil lebender Hamburger in NRW

Erdi Gorch Fock

 

Die Mutter ist bekannt, der Vater ungewiß, eine spanische Fliege in der Familie…………..

Neulich bekam ich Post von der Paßstelle der Stadt. Auf dem Informationsblatt wurde mir mitgeteilt, daß mein Personalausweis und der Reisepass ungültig würden. Bis Ende Dezember diesen Jahres hätte ich Zeit für eine Verlängerung des Persos, beziehungsweise Beantragung eines neuen Passes. Dafür sollte ich ein aktuelles Lichtbild mitbringen, ggf. eine Geburtsurkunde und so weiter. Ich legte den Brief zur Seite und überlegte, was ich alles brauchte um an neue Papiere zu kommen. Beim suchen nach neuen Passfotos, stellte ich fest, das meine Passfotos in der Schublade meines Schreibtisches etwas betagt waren. Meine schmucken Profilfotos waren wirklich schon 10 Jahre alt, nicht gerade neu…..also es war einmal…..

einer dieser Momente, wo man sich selbst wundert, das soviel Zeit vergangen ist. Für meine neuen Pässe brauchte ich also neue Fotos. Wo sollte ich jetzt neue machen lassen ? Eine in jeder Dekade wiederkehrende Frage, wichtig, da ich nicht die Qualität eines Fotoautomaten habe möchte, der Marke schwarz weiß mit Bildpunkten, also werde ich beim Fotografen vorbei schauen. Mit dem Schalk im Nacken machte ich ein paar Probebilder mit meinem Händi. So ein Selbstbild, ein Selfie, reicht doch vollkommen aus oder ? Ich verwarf den Gedanken, ging ich in den Keller, schmökerte in alten Fotoalben. So richtige Fotos auf Papier hatten Stil und jedes einzelne erzählte einer Geschichte. Im Laufe der Jahre, sammelte sich an diesem Ort unseres Hauses alles an, was nicht tagtäglich gebraucht wurde. In einem Ordner fand ich alle wichtigen Dokumente, meine Geburtsurkunde, dabei fiel mir das Familienstammbuch in die Hände. Dieses kleine Buch hatte schon etliche Jahrzehnte auf dem Buckel. Vorsichtig blätterte ich die ersten Seiten auf. Vater geboren 1917, Opa geboren 1880, Uropa 18……hier konnte ich die Schrift nicht mehr erkennen. Es fehlten ein paar Seiten, auch der Name von dem, der dieses Stammbuch geführt hatte, war mit bloßem Auge nicht mehr zu erkennen. Weitere lose Blätter, Heiratsurkunden, in der Mitte des Buches steckend, ein vergilbtes Papier noch erkennbar das Geburtsdatum vom meiner Mutter, 1922, wann Oma und Opa mütterlicherseits geboren waren, nicht mehr lesbar. „Hier mußte was getan werden, bevor sich meine liebe Familie in Staub und Luft auflöst“, sinnierte ich vor mir hin. Ich sollte ein neues Familienbuch anlegen. Die Lust an der Ahnenforschung loderte in mir. Alles noch mal vorn. Meine gefundene Geburtsurkunde legte ich fein säuberlich auf den Schreibtisch. Ich schnappte mir einen Block und schrieb auf, was mir so alles einfiel. Bei der väterlichen Familienlinie war alles geordnet und überschaubar. Väterlicherseits waren vom Uropa bis zu meinem Vater alle in Neustettin geboren. Der Geburtsort meine Mutter war Lankow bei Schwerin, die Geburtsstätte von Oma mütterlicherseits unbekannt. Meine Mutter brachte 5 Kinder mit in die Familie, mein Vater 3 Nachkommen. Ganz klar für den geübten Historiker, hier wurde im Laufe des Lebens mehrmals geheiratet. Ich lag nach Durchsicht der Urkunden richtig, für meinen Vater und meine Mutter war es die zweite Ehe und ich war das Erzeugnis Ihrer Liebe. Meine 8 Halbgeschwister konnte ich mir bis hierhin erklären. Für einen Moment zurückblickend, waren alle meine Geschwister ja schon lange aus dem Haus, als ich in Hamburg 1963 geboren wurde. Einzelkind in einer großen Familie, nun steckte ich tief in der eigenen Familienchronik, um mich nicht zu verzetteln, kontrollierte ich meine gemachten Anhaltspunkte. Es fiel mir ein, daß mein Vater mindestens einen Bruder und eine Schwester hatte, hier endete der Weg, weiter kam ich nicht. Meine Mutter hatte 4 Schwestern. Meine Oma mütterlicherseits hatte 3 mal geheiratet.

Moment mal“, dachte ich und ging zeitlich nochmal das Jahrhundert durch. Tatsächlich fand ich heraus, das Oma Kinder bekommen hatte, auch ohne verheiratet zu sein. Ein Skandal und das alles zwischen 1910 bis 1921. Ich mußte schallend lachend, da mir plötzlich die Geschichte der spanischen Fliege einfiel. – Die spanische Fliege, eine Verwechslungskomödie, in deren Verlauf der Geschichte ein junger Erwachsener sich aufmacht, seinen wahren Erzeuger zu suchen und eine Auswahl von vielen in Frage kommenden Vätern in einer Kleinstadt hat. Seine Mutter war eine berühmt, berüchtigte Varieté Künstlern. Eine dieser Väter, erkennt Ihn als seinen Sohn an. Nur um den Skandal zu vermeiden, da die Ehefrau des neu gefundenen Vaters Vorsitzende im ehrenwerten Verein für Anstatt und Sitte ist, kann dieser werte Gentleman seinen außerehelichen Nachkommen nicht anerkennen. Ein anderer Vater aus der selben Stadt sieht sich als der leibliche Vater des Kindes an, nur ist dieser Herr in der selben misslichen Lage wie sein Vorgänger, er kann seinen Sohn nicht ohne weiteres anerkennen. Über all lauern Hindernisse, die ganzen Familien in den Ruin treiben könnten. Gerüchte und Erzählungen machen in der Stadt die Runde. Das Ansehen in der Öffentlichkeit wird hier in dieser gespielten Posse groß geschrieben. Das Ende des Stückes lasse ich offen. Wer gerne ins Theater geht, sollte sich ein in Mundart gespieltes Stück aussuchen, da es im gespielten Dialekt besser rüber kommt und die Dialoge eine Priese witziger werden. Natürlich liegt es auch bei den Schauspielern, die das Stück vortragen. –

Ein paar Tage später war ich in der städtischen Anmeldestelle, dem Paßamt. Vorbei die Zeiten der engen Räume und Flure, ein großes freundliches Besucherzimmer erwartete mich, das Ende des Raumes durch eine Trennwand geteilt, hinter dem die Kundenmitarbeiter Ihre Arbeit verrichteten. Ein Wartemarkenautomaten mit großer Aufruftafel, rief mit einem Klingelzeichen die wartenden Leute nach der Reihe zu den einzelnen freien Schalterbeamten auf. Vor mir saßen gut 10 Besucher, vermutlich alle mit dem selben Anliegen. Gemütlich lehnte ich mich zurück und döste vor mir her. Im Geiste studierte ich meinen mitgebrachten Familienzettel. Ich war 13 facher Onkel und ebenso vielfacher Ur-Onkel. Beim besten Willen konnte ich nicht sagen, wo alle wann geboren wurden und meine Mutters singende und tanzende Oma konnte ich nicht mehr fragen. Ganz ruhig, dachte ich, das ist bestimmt nicht so wichtig und spielt gar keine Rolle. Ein Klingeln ertönte, die Nummer der Aufruftafel stimmte mit meiner Wartemarkennummer überein. Mit einem Blick auf mein neues Profilfoto, trat ich in die Amtstube ein. Nach ein paar Minuten waren alle Formulare ausgefüllt und fertig gestellt. Wie gut, daß meine Geburtsurkunde ausreichte um festzustellen, das ich ich bin, vielleicht hätte ich sonst die Geschichte der spanischen Fliege erzählen müssen…..

für alle die bei sich bei diesem Thema nicht angesprochen fühlen, einen lieben Gruß von meiner Oma…………………………………..mein youtube Kanal………………………

Bis zum nächsten Mal, wünsche ich eine schöne Woche. Es grüßt ein Exil lebender Hamburger in NRW

Erdi Gorch Fock

Herr Glossi’s Kampf mit der modernen Welt der Banken und Postfilialen…….

Vorbei die Zeiten der Lohntüten, als der Verdienst noch auf dem Werksgelände oder im Betrieb, der Firma ein oder zweimal im Monat ausgezahlt wurde. So Ende der 50’ziger Anfang 1960 wurden in Deutschland Gehalts- und Girokonten eingeführt. Banktechnisch ein schleichender Fortschritt, entlastend für den Arbeitgeber, da hier nicht mehr soviel Personal in den jeweiligen Unternehmungen parat gehalten werden mußte. Die vielen Lohnbüros verschwanden. Langsam ging eine Ära zu Ende, an denen Arbeiter und Angestellte sich mal schnell einen Vorschuss nehmen konnten, ohne das es die ganze Familie mit bekam. Auf diesen Gehaltsstreifen / gelblich bräunlichen Gehaltsbriefen stand nur die Summe drauf, die man verdient hatte, besser gesagt ausbezahlt bekam. So ein Vorschuss verschwand meistens sehr unbürokratisch oder wurde bei guten Malochern über eine zweite imaginäre Überstundentüte verrechnet. Hier decke ich den Mantel der Liebe drüber, also pssst. Für unseren Herrn Edwin Glossi Senior war diese Umstellung ein Ärgernis, er konnte sich nicht daran gewöhnen, erst zu Bank zu gehen um umständlich Geld abzuheben. Ein Kontoauszug war ein Gräuel, hier sah jeder sofort, was bei Edwin in den Taschen verschwand. Er war es gewohnt, daß seine Frau Leonore am Werktor stand und auf seinen Lohn wartete. Etwas ausgedünnt bekam die liebe Frau dann das gefüllte Kuvert und erwirtschaftete davon den Einkauf, bezahlte Rechnungen, machte Überweisungen. Es war also wichtig für Oma Glossi den geliebten Mann am Werktor abzupassen, bevor der liebe Opa Glossi sich zu viele Mücken heraus nahm, auf den Lohntütenball ging und es verflüssigen konnte, oh wieder mittendrin……….es war einmal…….

ein Freitag, das Wochenende stand vor der Tür, nach Schichtende wollte ich mir, äh Herr Edgar Glossi, etwas Geld abholen. Er brauchte für sich nicht viel, eigentlich würde es auch noch reichen, wenn er schnell mal am Samstag in die Post springt und den Geldautomaten erleichtert. Auf dem nach Hause Weg vergaß Edgar Geld zu ziehen. Seine eigene Vergeßlichkeit brachte Ihn nicht aus der Fassung. Morgen wäre auch noch ein Tag, dachte er sich. Beim Abendbrot durchstöberte er die zugestellte Post. Die Zeiten der Liebesbriefe waren längst vorbei, es schien als wenn sein Briefkasten nur noch für Werbeprospekte und Rechnungen geeignet wäre. Mit gespielter Tragik schlich Glossi die Treppe hinauf, seine Frau lächelte Ihn mitfühlend an, wußte Sie doch was dieser schleppende Gang zu bedeuten hatte. Heute war wieder Überweisungstag für Ihren Mann. In seinem Hängematten Zimmer, sortierte Edgar fein säuberlich die Rechnungen, startete seinen Rechner, wählte sich mit direktem Zugriff auf sein Postbankkonto ein. Es ist ja schon eine schöne Sache, so einfach und bequem Überweisungen zu tätigten, dachte er sich, wenn das noch mein Vater Erwin erleben könnte und meine Mutter Leonore hätte nicht für jeden Zahlschein einzeln zur Bank rennen müssen. Nachdem die erste Überweisung mit den nötigen Angaben versehen war, mit wer, wie viel bekommt, kam die entscheidende Zeile nach Art der auszuführenden Überweisung. Der Punkt mobile Überweisung mittels einer gesendeten Bezahlcodes wurde ausgewählt. In freudiger Erwartung bemerkte Edgar, das sein mobiles Telefon noch in der Jacke steckte. Er spurtete vom ersten Stock in den Keller, da hier Eile angesagt war, denn in 8 Minuten würde die offene Verbindung mit der Postbank gekappt werden. Eine blöde Sicherheitsauflage, die nun seine ganzen sportlichen Fähigkeiten abverlangten, elegant wie eine Gämse, stürzte er sich die Treppen hinunter, griff wie ein geübter Taschendieb in die Seitentasche seiner Jacke, erklomm im Zweierschritt die Stufen zurück ins Rechnerzimmer, ließ sich gekonnt in seinen Bürostuhl fallen, in Wartestellung mit einem lauernden Händi bewaffnet, mit einem beherzten Fingerwisch wurde das Smartphone gerade noch rechtzeitig aktiviert. Zu spät, der Kontakt zum Konto war bereits abgelaufen. „Keine Panik, machen wir eben alles nochmal“, zwitscherte Edgar vor sich hin.

Diese Runde ging an die moderne Welt der Banken und Postgiroämter. Nun sank aber seine gute Laune, denn es klappte gar nichts mehr und es wurde totenstill im kleinen hergerichteten Bürozimmer. Wie gut das diese Blamage keiner mitbekommen hatte, dachte er, nun merkend das seine süße Frau hinter Ihm stand, die mit einer zweideutigen Stimme hauchend: „Hat alles geklappt“ direkt über sein lichtes Haar hinweg wissen wollte, ob Ihr Göttergatte klar kommt. Edgar ließ sich nicht kirre machen. Erste Schweißperlen bedeckten nun seine Stirn. „Ja klar Schatz, ich bin gleich fertig“, mit dem Brustton des siegreichen Gladiators machte Herr Glossi unbeirrt weiter. Seine Mona Lisa verschwand aus der kochenden Brutstätte dieses Raumes, es lag eine Entscheidung in der Luft. Langsam tippend wurden wieder alle notwendigen Zeichen und Buchstaben in das vorgefertigte elektronische Postformular gehämmert. Bei der entsprechende Stelle der Überweisungstransaktion wurde mobiles bezahlen mit Händi angekreuzt. Die offene Verbindung des Postkontos signalisierte Ihm einen Code zu senden. Nach ein paar Sekunden war es soweit, eine quälende Ziffernfolge entfernt und die Überweisung ist getan. Aber der Teufel steckt im Detail. Anstatt eine erfolgreiche Bezahlung in Empfang zu nehmen, meckerte die Hirn lose Maschine einen fehlerhaften Eingabecode an. Der zweite Versuch wurde gemacht, nun kam es darauf an Mensch oder Maschine: „Es ist Sparta“ entwich es unseren wahnsinnigen Freund, diese Aktion wurde mit einem zweiten Fehler quittiert. Der letzte Versuch, ganz ruhig, kaum hörbar wurden der Zahlen- und Buchstabensalat eingeben. Der Schlusspunkt in einem großen Finale endete 3 zu 0 für den Rechner. Kreidebleich und stumm saß Edgar auf seinem Stuhl. „Was ist denn nun passiert?“ ärgerte sich Edgar. Es ploppte ein Hinweisfenster auf ‚ Ihr Transaktionscode wurde dreimal falsch eingeben, sehen sie bitte unter unseren Sicherheitsbeschreibungen nach, um die mobile TAN wieder zu entsperren.‘

Es dauerte bis in die Nacht hinein, bis Glossi im Internet das richtige Eingabefeld auf der Postbankseite fand und es mit seinen Daten versenden konnte. Wer schon mal ein Onlineformular ausgefüllt hat und dies nicht jeden Tag macht, kann nach empfinden, wie überflüssig Eingabezeilen sind wie: „Welchen Brauser benutzen Sie?“, Welches Betriebssystem steht zu Verfügung?“,“ Können wir Ihnen weitere Informationen über E-Mail schicken?“. Durch die erlebten Ereignisse machte sich Edgar auf ins Bett zu gehen.

Nach dem Aufstehen am Samstag, packte Mona Lisa Ihren Mann ins Auto und setzte Ihn vor der Post ab. Herr Glossi betrat die kleine Poststelle mit einem mulmigen Gefühl, eine lange Schlange säumte den schmalen Pfad bis hin zum Schalter, im hinteren Bereich, war eine kleine Kabine für Postbankkunden eingerichtet. Vor dieser Zelle warteten schon 3 ungeduldige Kunden. Glossi sah sich die einzelnen Regale an, um ein Überweisungsformular zu finden. Fehlanzeige, außer Prospekten und Rückscheinen war nichts dabei, was wie Zahlschein aussah. Mittlerweile strömten immer mehr Kunden in die Post. Endlich war die Postbankkabine frei, mit leichten Schritten überwand er seine innere Scheu vor der großen Welt der Finanzen und trat in dieses Zimmer ein. Nachdem die Begrüßungsfloskeln austauscht waren, erklärte die Postbankangestellte die fehlenden Überweisungsformulare. Auf Edgar’s Frage: „Wie lange dauert denn so eine Entsperrung meiner mobilen Transaktionsnummern“ rutsche er bei der Beantwortung dieser Frage fast vom Stuhl. „So 10 Tage könnte es schon dauern, bis Sie eine Nachricht erhalten könnten“. Sein „Uff“, lächelte die charmante Assistenten gekonnt weg. „Sie können Ihre Überweisungen an unseren Automaten, der im Eingangsbereich steht, kostenfrei erledigen. Im Moment stehen nur 3 Leute an. Das geht schnell, glauben Sie mir“. Mit einem Danke, stellte sich Glossi gleich hinter der kleinen Schlange an, diese Leute erkannte er, denn sie waren alle vor Ihm bei der Postbankfee gewesen. Ein leichtes murmeln war von dem ersten Überweiser zu hören: „Wie war die IBAN Nummer?“ nervös drückte er im Schneckentempo die Zahlen auf er Tastatur. Nach einer gefühlten Ewigkeit, war der zweite Einzahler dran. Die große Schalteruhr zeigte 11:30 Uhr an. Nur noch 30 Minuten, dann würde der Empfangsbereich geschlossen werden. Als Edgar’s Vormann dran war, war es schon 11:45 Uhr. Endlich war Glossi an der Maschine. Ohne lange zu zögern, tippte er wie wild Name, Konto des Empfängers ein, bei der gefühlten 100 stelligen IBAN Nummer, merkte er plötzlich seine Frau hinter sich. „Schatz klappt es ?“ säuselte Mona Lisa. Mit einem letzten Druck auf die Tasten, dem Ausdruck der Überweisung in der Hand umarmte er seine Frau. „Natürlich habe ich es geschafft, meinst Du ich kenne mich nicht mit den Überweisungsautomaten aus“, das war ja gerade noch mal gut gegangen, dachte sich Glossi……………….

Nach gut einer Woche bekam Edgar Post von der Post, sein Entsperrungscode war gekommen. Drücken wir dem glücklichen Glossi die Daumen, das alles wieder klappt und er in der modernen Welt der Banken beim überweisen und bezahlen keinen Schiffbruch erleidet.

für alle die bei sich bei diesem Thema nicht angesprochen fühlen…mein youtube Kanal…

Bis zum nächsten Mal, wünsche ich einen schönen Samstag. Es grüßt ein Exil lebender Hamburger in NRW

Erdi Gorch Fock