Berufsanfang, Einblick in den Innendienst und nur weibliche Umkleideschränke für mich….

So ganz nebenbei, heute vor einem Jahr habe ich meine erste Kurzgeschichte geschrieben. Ein Rückblick auf 12 Monate wäre langweilig, deswegen werde ich bei dieser Geschichte einen Einblick in den Innendienst gewähren, wo ich vor langer Zeit angefangen habe, als „das Fräulein vom Amt“ in männlicher Form. In den 1980′ zigern wurden die reinen Frauendienststellen bei den Behörden in Hamburg aufgelöst. Für mich, damals jung und unerfahren, begann eine Reise in eine unbekannte Welt. Für die werten Leserinnen vielleicht was zum lächeln, für die ersten eingestellten Männer unter uns nicht gerade unproblematisch mit so viel Weiblichkeit um zu gehen.

Frisch von der Schule, am ersten Tag im August, machte ich mich zum Gänsemakt auf. Ich wollte am Einstellungstag pünktlich bei meinem neuen Dienstherrn sein. Um 06:00 fuhr ich mit dem Bus zum Dampferanleger, ungeduldig fieberte ich meinen Arbeitstag entgegen.

Endlich an der Drehbahn angekommen, ging es vorbei am Pförtner hinauf zur Personalstelle. Als ich die Türe vom Besprechungsraum aufmachte traf mich der Schlag. An den Tischen saßen über 20 Frauen. Ohne lange zu zögern und mit festen Blick setzte ich mich auf irgend einen Stuhl in diese Runde und staunte. Es dauerte ein paar Momente bis ich die zwei anwesenden männlichen Berufseinsteiger bemerkte. Etwas blass um die Nase vor sich hin grinsend. Vor jedem von uns lag eine Mappe, mit wichtigen Unterlagen, bestehend aus Dienstausweis, Abeitsvertrag und Kontoeröffnungsblättern, einem Stellenverzeichnis mit Raum und Etagennummern und dem wichtigen Treueeid Formblatt. Zur Begrüßung folgten einleitende Worte von der Personalchefin, in Ihrem Vortrag erzählte Sie von Grundlehrgängen, Aufbaulehrgängen und der abschließenden Beamtenprüfung, die in den nächsten Jahren auf uns zu kamen (- hierzu meine Geschichte Wer ist meine liebste Freundin ) Leicht abgelenkt verfolgte ich diesen wertvollen Beitrag, denn die seuten Deern’s am runden Tisch sahen alle klasse aus. Ganz weit entfernt hörte ich auf einmal…… „ die Kleiderordnung ist zu beachten, feste Schuhe und flache Pumps sind in Ordnung, Miniröcke und Highheels gehören nicht dazu…….“ Schade dachte ich, mein lächelndes Gesicht sprach Bände und die Vorstellung gefiel mir, ein Blick von Frau Fernmeldeoberrätin des Personals streifte mich und ein eiskalter Schauer durch fuhr meinen ganzen Körper. Es folgte der Schlußteil der Rede, mit der Unterschrift unter dem BAT Arbeitsvertrag und dem Gelöbnis des Amts-und Treueeides:

Ich gelobe, Ich werde meine Dienstobliegenheiten gewissenhaft erfüllen und das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland so wie die Gesetze wahren“

Nun konnten wir alle unsere neuen Dienstellen aufsuchen. Ich hatte Glück und kam im Wirrwarr der Gänge und Flure schnell in meine neue Abteilung. Meine neue Gruppenleiterin stellte mir beim ersten Rundgang durch die Räume meine neuen Kollegen vor. Es waren alles Frauen und ich war der erste männliche Kollege in dieser Stelle.

Meine neuen Kolleginnen erklärten mir meine neuen Aufgaben, zum Schluß zeigten sie mir meinen Schrank im Raum, wo ich meine Kleidung unter stellen konnte. Um es ganz deutlich zu sagen, die Umkleideschränke standen im Arbeitszimmer. Kein Extraraum, oder Trennungstür und keine Möglichkeit was zu verbergen beim umziehen. Null Privatsphäre für mich. Wie ich die Schranktüre aufmachte bekam ich einen weiteren Hieb versetzt. An der Innenseite der Türe begrüße mich das Profil von Sylvester Stallone, Arnold Schwarzenegger und das Bild von Randy West in voller Centerfold Größe des Playgirls Magazins.

Ja, es war ein ganz besonderer Willkommen Gruß, den ich lange verdauen mußte. Als James Bond und Playboy Fan zu dieser Zeit revanchierte ich mich mit Marilyn, Ursula, Bea Fiedler usw. Heute hängt in den Schranktüren kein Bild mehr und solche Umkleideschränke sind auch nicht mehr in den Arbeitsräumen gebilligt, irgendwie schade, den ich würde mir jetzt mir Diosa in den Schrank hängen.

Videoclip von meinen youtube Kanal

Bis zun nächsten Mal, wünsche ich einen schönen Sonntag. Es grüßt ein Exil lebender Hamburger in NRW

ErdiGorchFock63

Gedanken an St. Pauli, Kinonacht, Fischmarkt und eine nebelige Fahrt auf der Elbe

Wer mit den Fähren in Hamburg pendelt, genießt die Fahrten auf der Elbe. An einem Samstag wollten meine Freunde und ich von unserer Insel in die Stadt fahren. Es war schon lange mal wieder fällig sich zu vergnügen und etwas Spaß zu haben. Ein langer Abend quer durch St. Pauli wäre genau das richtige. Über unseren Jahrmarkt, dem Hamburger Dom zu schleichen, ein paar Runden Autoscooter fahren und was uns sonst noch so einfällt. Als Abschluß war ein Besuch auf dem Fischmarkt geplant. Wir fuhren mit einem der letzten Dampfer rüber zu den Landungsbrücken. Wir hatten die besten Plätze auf dem Oberdeck. Mit einem festen Blick, den Wind trotzend, tauchten wir ein in die Nacht.

Vorweg ein großes Danke schön an Hamburger Innenansichten

für die Erlaubnis, Bilder zur virtuellen Unterstützung für meine Geschichte zu nutzen.

Angekommen an den Landungsbrücken spazierten wir gemütlich Richtung U-Bahn. Nach einer Station waren wir am Millerntorplatz. Direkt am Anfang des Herzens von St. Pauli konnten wir uns dem Charme von Musik, Getöse und Lichtermeer des Dom’s nicht entziehen. Liebesäpfel, Schmalz gebackenes und schon waren wir mitten drin im Trubel und an der ersten Dart Wurfbude. Wer sich bei den Wurfbuden auskennt, weiß wir schwierig es ist, das Ohrläppchen vom Gesicht eines Geldscheines zu treffen. Mein Glück war mir hold und bescherte mir einen Trostpreis. Mini Würfel an einem Schlüsselbuntring. Die Mini Würfel wurden wir eine Trophäe seitlich an der Hosentasche befestigt. Tja, echte Profi’s schmeißt so schnell nichts um und nach einer Portion Zuckerwatte hatte ich meinen Erfolg verdaut.

An der nächsten Ecke kam endlich das Objekt unser Begierde. Eine super große Scooter Bude. Eurythmics, Men with out Hats, Laid Back, Rod Stewart zogen uns förmlich in die Autokarren rein. Nach etlichen Runden bemerkte ich, daß ich nicht aus Gummi war. Das aus steigen aus dem Autoscooter war deutlich schwerer, als das einsteigen. Mein Trostpreis bestand nur noch aus „Ring“ Diese Tatsache wurde von mir mit einem bitter süßen Lächeln quittiert. Ich musste erst mal meine Knie- und Halswirbel sortieren. Langsam erholte ich mich von den lieb gemeinten Buffern, die ich ab bekommen hatte. „Oh, vielleicht schaffe ich den Fischmarkt nicht mehr“ schoss es mir durch den Kopf. Ich unterdrückte als ganzer Kerl meine Wehwechen. Nach wenigen Minuten tanzten meine Freunde Limbo mäßig zu mir rüber. Alle hatten ein Mona Lisa Grinsen auf dem Gesicht, bald würde der Dom schließen. Also beschlossen wir, da die Nacht noch jung war, eine lange Kinonacht zu machen. Wir hatten ja noch ein paar Stunden Zeit bis der Fischmarkt auf machte.

Der Hunger meldete sich, wir flanierten die Reeperbahn hoch. Von allerlei Gerüchen und Kobern angelockt, erreichten wir in der Nähe von der Großen Freiheit eine Imbiss Bude. Fischbrötchen und Grog ( Rum muß, Zucker kann, Wasser brauch nicht ) gehen immer. Gestärkt und all den Versuchungen des leichten Gewerbes widerstehend, fuhren wir Richtung Hauptbahnhof.

Am Ausgang des Hauptbahnhofes im schönen St. Georg, in der Nähe des Steindamm’s waren Kinos die Samstag auf Sonntag lange Nächte machten. In der Höhe des „Piccadilly“ angekommen, schauten wir uns die Filmauswahl an. Das Angebot war so gestaltet, daß in einem Kinosaal 3 Filme hintereinander angeschaut werden konnten. Das gute daran, die anderen Vorführungsräume durften besucht werden, ohne dass wir eine neue Kinokarte kaufen mussten. Meistens wechselten wir ständig die laufenden Filme, es machte Spaß hin und her zu springen. So schafften wir es, bei guter Kondition 4 bis 4 ½ Filme zu schauen. Wer nicht dauernd hin und her laufen wollte, blieb sitzen und entspannte sich. Diesmal war meine Programmwahl schnell getroffen, Octopussy, Gorky Park, Eis am Stiel, wollte ich sehen. In meinem Kinosaal fand ich einen super Platz in den hinteren Reihen. Es war sofort gemütlich, so schlummerte ich schon bei der Eröffnungsmelodie von Rita Coolidge ( All Time High ) am Anfang des „Octopussy-007“ ein. Im Halbschlaf wurde mir die spannende Geschichte von Roger Moore alias James Bond erzählt. Nach einiger Zeit wurde es kurz hell im Kinoraum, dann startete der zweite Film. Gorky Park war richtig packend gemacht. Nicht zuletzt durch die Schauspieler (Brian Dennehy und der super schönen Joanna Pacula als undurchsichtige „Irina“). Auch hier döste ich ein paar mal genüsslich weg. Fast störend wurde ich wieder unsanft vom angemachten Licht geweckt. Nun wollte ich den dritten Film, Eis am Stiel, in voller Länge genießen. In der Mitte des Films und mit der schönen Melodie von „Brian Hyland- Ginny come lately“ war es wieder um mich geschehen, meine Augen fielen mir zu. Am Ende dieses Filmes wachte ich fast ausgeruht auf und bemerkte meine Freunde sitzend und fest schlafend neben mir. Nach einer kurzen Orientierungsphase und wieder kehrendem Tatendrang spürend, machten wir uns auf den Weg zum Fischmarkt. Ja, so eine lange Nacht ist und war nur was für harte Kerle.

Früh morgens auf dem Hamburger Fischmarkt ist immer eine Menge für See- und Sehleute zu sehen. Die Marktschreier halten mit Ihren Sprüchen und Kalauer’n die Besucher bei Laune und verkaufen dabei Tüten weise Ihre Ware. Mit einem Blick über die Elbe bemerkten wir aufkommenden Nebel.

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Bepackt mit Fisch und Apfelsinnen machten wir uns wieder auf Weg zum Fähranleger St. Pauli Landungsbrücken. Unser Dampfer kam und wir enterten erneut das Oberdeck. Mit dem gleichmäßigen Geräusch des Schiffsmotoren, schlief ich wieder ein.

Eingehüllt vom Nebel verarbeitete ich meine Erlebnisse und fing an zu träumen.

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Wer war Octopuusy wirklich? Wieso kam Ginny später. Fragen die mir nicht aus dem Kopf gingen. Bei aufkommenden Wellen wollte ich Irina vor einem FabergéEi warnen. Mir schwirrte der Kopf. Ich vernahm von weit weg Schiffssirenen und Wellen schlagen, konnte Nebel auf meiner Haut spüren. Plötzlich machte es Rums. “

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Eine harte Welle riss mich aus meinem Traum. Unser Barkassenführer setzte die Fähre an Finkenwerder Landungsbrücke an. Steif und müde wankten meine Freunde und ich den Steg hoch.

Beim Abschied mit meinen Freunden und einem letzten Schmunzler auf dem Gesicht machte ich mich auf dem Heimweg. Endlich war ich wieder zu Hause. Froh und glücklich bettete ich mich. „Das war eine Nacht, von der ich noch lange zerren werde, das muß ich bald wieder machen“ dachte ich und mit diesem letzten Gedanken schlief ich ein.