Abschied ist auch immer wieder ein Neuanfang, wer schön mit stark verwechselt…


Pünktlich zu Jahresanfang, so Anfang Februar, miste ich alles aus was bei mir so rumliegt und sich angehäuft hat. Ganze Berge von Rufnummern, Adressen, Nachrichten werden dabei in meinem elektronischen Postfach durch stöbert, ganz zu schweigen von den Sachen, über die ich noch schreiben möchte oder in musikalischer Form präsentieren werde. Ohne mich ablenken zu lassen, kette ich mich geistig an meinen Schreibtisch fest. Zwar nicht so plastisch wie Henry Miller, der sich am Anfang seines Schaffens in seinem Badezimmer verschanzte und in späteren deftigen Interviews nicht wissen wollte, welche Stadt der Arsch der Welt ist. Wo war ich… wieder mittendrin… mit dieser Ausgabe feiere ich mein kleines persönliches Jubiläum, zwei Jahre Kurzgeschichten von einem Exil lebenden Hamburger…also… Es war einmal…
ein regnerischer Tag am ersten Februartag. Leichtfüßig betrete ich das Badezimmer, als plötzlich ein dumpfer Knall aus dem Büro meinen Versuch stoppt mich äußerlich schön zu machen. Mit mulmigen Gefühl öffne ich das Bürozimmertür, um es sofort ganz leise wieder zu schließen. Wieder im Bad angekommen, verarbeitet mein Kopf die gesehenen Bilder des Schreckens. „Heute ist es soweit“, denke ich bei mir, „man ich will nicht aufräumen“. Mit einer Kanne Kaffee bewaffnet gehe ich mutig mein Büro zurück. Kladdezettel und andere lose Notizen liegen auf dem ganzen Fußboden verstreut herum. Vorsichtig erkämpfe ich mir einen Weg zur nächsten nahen Sitzgelegenheit. Als erstes schiebe ich die Kanne unter die Schreibtischplatte, ein sicherer Platz bis der Schreibtisch wieder frei ist und ich meine Kaffeetasse abstellen kann. Danach befreie ich den Schreibtischstuhl von fallenden Blättern. „Äh, Tasse, oh Mist habe ich in der Küche vergessen“, mit einem großen Schritt aus dem Büro trippelnd, schleiche ich leise runter und ergreife meinem Kaffeepott, als ich plötzlich Geräusche aus dem Büro wahrnehme. In Rekordgeschwindigkeit wieder im Büro stehend, ertappe ich meine Frau dabei, wie Sie die Fenster öffnet, um im selben Moment in einem Meer von herum fliegenden Papierschnitzeln zu stehen. Mit einem „Uups, Durchzug“ und einem ’seuten‘ auf meiner Wange sucht meine Göttergattin das weite, sprich das sichere Bad auf. Langsam in die Knie gehend, hebe ich die Notizblätter auf, dabei wird mein Kaffeepott am Tisch abgestellt. „Jedes Jahr wieder das selbe, immer muß irgendwas verheerendes passieren, bis ich aufräume“, kommt es mir unwillkürlich durch den Sinn. Wie von Zauberhand dirigiert finden dabei die gelesenen Zettel selber den Weg in den Papierkorb, mittlerweile ist auch mein Notebook betriebsbereit, zielsicher steuere ich mein E-Mailprogramm an. Nach meinem eigenen geheimen 3 Sekunden Rhythmus Takt, speichere, lösche, beantworte ich gleichzeitig swingend dutzende elektronische Briefe.
Meine Frau macht nun die Luken in Wohnzimmer und Küche auf. Einen leichten Luftzug im Büro spürend, will ich gerade lautstark meinen Unmut über diese leichtfertige Art des fraulichen Handelns kundtun und meine Stimme erheben, als Mona schon im Türrahmen, mit einer neu gefüllten Kaffeekanne nur für mich, steht. Mit einem prüfenden Blick erkennt Sie, daß hier noch eine Menge zu tun ist. Elegant abkurvend dreht Mona auf dem Absatz um und hinter läßt einen Hauch von ‚Fleur de Lis‘ im Zimmer. Schmunzelnd betrachte ich den stark gemachten Abgang meiner Frau, meine schlechten Sinne sind wie von selbst verflogen. Konzentriert mache ich weiter, bis nach einer Weile wieder Ordnung im meinem E-Mailpostfach herrscht. Wie viel Platz auf einmal im Büro ist. Endlich kann ich wieder meine Gedanken zu Papier bringen, ich schnappe mir meinen Block und notiere …starke Frauen… leicht gemacht…. Musik Clip von Helan … Geheimnisse unter dem Rosenzimmer… Diese Randnotizen sind nun die ersten die auf meinen Tisch flattern, im Geiste klopfe ich mir auf die Schulter, fertig mit dem lästigen aufräumen. Der Hunger fordert seinen Tribut.
Nach einem einverleibten Käserundstück schneide ich viele kleine Musikvideos zusammen, übertrage den neu fabrizierten Musikclip auf mein Benutzerkonto eines Musikplattform Anbieters. Nun googele ich mich in diversen sozialen Netzwerken durch, sammelte Infomaterial für neue Geschichten, dabei landen unzählige Kladdezettel auf dem Schreibtisch. Mit fertig geschrieben Sätzen, füllt sich mein Blog, spinne ich mir langsam meinen roten Faden zusammen. Diesmal wird es eine Geschichte die von starken Frauen handelt, die mit Ihren Reizen nicht geizten, somit in meinem Herzen einen ständigen Platz gefunden haben. Mir fallen viele großartige Frauen ein. Wenn ich nur an die schöne Kleopatra denke wird mir…, obwohl was weiß ich wirklich über die Königin von Ägypten ? Also nichts wissend und alles erklärend, passend zum Niederrhein, versuche ich mich an Margaretha Geertruida Zelle’s Biografie, merke daß Ihr Leben schwer in die heutige Zeit zu transportieren ist. Ebenso verzwickt komme ich mit Christine Keeler nicht weiter. Also halte ich mich an meine Musikclips mit schönen Sängerinnen und schnüffele ein wenig im Internet über Erykah Badu und Helan Abdullah nach. Zufrieden beende ich meine kurzen nieder geschriebenen Zeilen. Meine Mona Lisa liest diagonal meine gemachten Notizen auf den Schreibtisch, „Uui ich bin gespannt wir Du Profumo und Mata Hari verknüpfen willst, bleibe lieber bei Deinen Musikerinnen, hebe die politischen, sozialen Engagements der einzelnen Künstlerinnen mehr in den Vordergrund oder mache doch mal einen Ausflug in eine andere Ära, mehr Mediävistik Erdi und mehr Tiefgang. Da gibt es so viele starke weibliche Persönlichkeiten, schon mal was von Eleonore von Aquitanien gehört Schätzelein ?“, wirft meine Frau als kleinen Tipp ein. „Genau darüber wollte ich gerade schreiben, aber erst stelle ich noch ein Clip von Norma Jean Baker und Eva Mendes ein, dann werde ich mich mit den wirklich starken Frauen der Geschichte beschäftigen“, Mona Lisa durch schaut meine Ablenkungsversuche sofort. Mit gekonnten Schwung und einem viel sagenen „Püh“verschwindet Sie, nun ahne ich, das ich irgendwo falsch abgebogen bin, das ich diesmal stark mit schön verwechselt habe. Naja, ist nicht so schlimm oder …

Bis zum nächsten Teil, etwas Spaß von meinem Kanal

Bis zum nächsten Mal, wünsche ich ein schönen Start in die Woche. Es grüßt ein Exil lebender Hamburger in NRW
Erdi Gorch Fock

FIFA World Cup 2014 – Fußballfinale und ein Hamburger im Flugzeug auf dem Weg nach Kanada


https://www.youtube.com/watch?v=wnmVW_neRtk

In ein paar Tagen beginnt die Fußballweltmeisterschaft in Brasilien. Mein kleiner Rückblick, meine Gedanken kreisen um einen Flug der mitten am Tage des Sonntags 07.07.1974 statt fand. An Bord ein kleiner Hamburger Jung, der sich überhaupt nicht freuen wollte nach Kanada zu fliegen.

Fußball ist die schönste Nebensache, die es für mich gibt. Immer wenn wieder eine Fußballweltmeitserschaft ansteht, stellt sich bei mir eine Vorfreude ein. Welche Mannschaften haben sich qualifiziert. Wer wird Weltmeister, wie schneiden wir ab ? Habe ich Zeit, die Gruppenspiele, Halbfinale anzuschauen. Hoffentlich kommt meine Lieblingsnation ins Finale.
All diese Gefühle kommen in mir hoch seit Mexiko 1970.

Im Jahre 1974 wurde die Fußball Weltmeisterschaft in Westdeuchtschland ausgetragen. Auf dem Schulhof, kurz vor den Ferien wurden alle Nationen diskutiert, besser gesagt, in den Pausen durch gebolzt. Jeder wollte seinen Lieblingsspieler nach machen oder seiner mit „seiner Nation“ Pausenmeister werden. Wir waren an jeder Information aus Radio, Zeitung, Fernsehen interessiert, Es stellten sich schnell die Favoriten heraus. Polen, Schweden, Brasilien, Italien, Holland und natürlich die Bundesrepublik Deutschland. Die Ostzone/„DDR“ und Jugoslawien galten als Exoten, was einige Jung Butjes-Fußball-Experten von heute noch mit einem bitter süßen Lächeln quittieren.

Lassen wir die Politik und die wirtschaftlichen Verhältnisse mal für einen Moment außer Acht. Da hier in der Jetzt Zeit 2014 eine ähnliche Anspannung der Bevölkerung in Brasilien zu spüren ist. – vielleicht doch ein Satz dazu – Ein Staat hat die Pflicht alle seine Bürger mit den Grundbedürfnissen, Essen, trinken, soziale Sicherheit, medizinische Versorgung, zu versorgen. Arbeit und Bildung zu stellen. Danach kommt Kultur und…… Stadion bauen. Also, wo war ich, meine Kurzgeschichte, richtig.

Meine Eltern, freuten sich, dass ich meine Schwester in Kanada besuchen wollte. Es sollte in den großen Ferien sein. Am Anfang war meine Freude groß. Mein Fernweh war geweckt und Kanada hörte sich gut für mich an. Ich durfte ganz allein fliegen und die Welt entdecken, ein Traum für mich wurde war. Bis auf es dann ernst wurde an diesem Sonntag.
Die Fußballweltmeisterschaft, mit Ihrer eigenen Dramatik hatte ich bis zu diesem Zeitpunkt in meinem kleinen Universum verfolgen können. Zum ersten Mal im Fernsehen in schwarz-weiß (wer hatte damals schon einen Farbfernseher auf unserer Insel Finkenwerder). Wir verloren gegen die „DDR“ unser erstes Spiel in meiner Stadt Hamburg. Jürgen Sparwasser konnte Fußball spielen. Das Regenspiel in Düsseldorf gewannen wir gegen Schweden mit 4:2. Für mich war Ronnie Hellström ein unbezwingbarer Torwart. Es folgte die Wasserschlacht von Frankfurt gegen Polen. Gerd Müller, rettete mich mit seinem 1:0 ins Finale.
Nun kam das Finale, es war Holland mit seinem exzellenten Spielern Johan Neeskens und dem König Johan Cruyff. Mir wurde mulmig in der Magengegend. Für mich kam es noch schlimmer. Mein Flug nach Kanada sollte am 07.07. 1974 sein, an dem Tag der Entscheidung. Wie gemein, ich würde nicht dabei sein. Hätte der Flug nicht später sein können……………….

Es half nichts. Morgens standen wir auf, damit mittags dass super blöde Flugzeug rechtzeitig in Frankfurt erreicht werden konnte. – Nur so nebenbei bemerkt, die Fluglinien boten 1974 noch nicht von jedem Flughafen einen direkt Flug an, im hier und heute sind die Wahlmöglichkeiten etwas besser geworden oder ?- Um nach Kanada zu kommen, war für Hamburger Frankfurt am Main die erste Möglichkeit.
Es ging los, wir setzen vom Rüschkanal nach Teufelsbrück mit der Fähre über. Natürlich verpassten wir den 286’er Bus nach Otmarschen. Alles kein Problem, dieses und andere Vorkommnisse hatten meine Eltern bedacht. In Otmarschen erreichten wir unsere Schnellbahn Nr.1. Wir hatten wenige Möglichkeiten auf einem fast direkten Weg nach Fuhlsbüttel zu kommen. Entweder die S1 bis Ohlsdorf fahren, gefühlte eine Stunde oder eine Abenteuerfahrt machen, quer durch Hamburg. Eine schnellere Verbindung zu fahren, war damals ab Dammtor Bahnhof mit der Linie Nr. 9, der guten alten Straßenbahn möglich. Diese kam jedoch nicht mehr in Frage, da der Betrieb dieser Strecke im Mai 1974 eingestellt wurde. Also, fuhren wir nach Ohlsdorf und mit dem Bus weiter nach Preetzer Straße. Baustellen bedingt war am Ratsmühlendamm auf einmal Ende und die letzten Meter wurden zu Fuß bewältigt.
Eine nette Stewardess nahm sich meiner an. Als Abschied hatten meine Eltern noch eine kleine Überraschung für mich in meinen Rucksack gelegt. Es war ein weißes T-Shirt mit den Profilen von Gerd Müller, Sepp Maier und Franz Beckenbauer. Es war so ein super T-Shirt, ich zog es sofort an. In Frankfurt erwischte ich den Flieger nach Toronto, natürlich mit der Hilfe einer weiteren Stewardess. Auf dem Flug unterrichtete mich das Flugpersonal über das Finalspiel. Der Funker kam zu mir und nahm mich mit ins Cockpit. Hier erlaubte mir der Kapitän ein paar Minuten live das Fußball Spiel zu hören. Bei der Landung in Toronto, war ich so der erste kleine Hamburger, der ein Weltmeister T-Shirt hatte. So schön kann Fußball sein.

PS: Natürlich waren meine Tage in Kanada sehr schön gewesen. Meine Schwester zeigte mir viele schöne Dinge. Zum ersten Mal sah ich die Niagara Fälle und Boston und vieles mehr. Zu Hause wieder angekommen hatte ich meinen neuen Beruf gefunden. Mein Ziel Fußballspieler zu werden hängte ich an den Nagel, ab sofort wollte ich Pilot wollte werden. Aber Träume sind manchmal Schäume. Ich wünsche allen Lesern und auch Leserinnen eine schöne Weltmeisterschaft und mit einem Augenzwinkern einen schönen Urlaub.

Erdi Gorch Fock ®