In vier Tagen vom Niederrhein zumTor der Welt und zurück…Teil I

Ende Oktober, zu den Herbstferien in NRW, eine Reise in Norden zu machen klinkt für den Niederrheiner nicht gerade verlockend. Soll es doch in den nördlichen Reginonen von Deutschland mehr regnen, als im gesamten England das Jahr über. So jedenfalls erzählt man sich hier Schauergeschichten vom meinen schönen Norden. Zugeben die Leute, alles Nachbarn von hier, nehmen es mit dem Thema Urlaub sehr ernst, ganz egal wohin man / sie fährt wird es mit der Schlußfloskel „So isses, zu Hause immer noch am schönsten, nicht wahr.“ kommentiert. Fern einer Logik belassen wir es mal für einen Moment dabei und konzentrieren uns auf Edgar und Fiete, der eine ein waschechter Hamburger Jung, hanseatisch abgeklärt und erfahren. Der andere in Oberhausen geboren, sprich niederrheinsisch weltoffen aufgewachsen,…oh wieder mittendrin…

Edgar wollte wieder in seine alte Heimat fahren, mal durch atmen, seine Stadtteile besuchen, einen Tapetenwechsel auf Zeit machen, nur ein verlängertes Wochenende sich den Wind um die Nase wehen lassen, Großstadtflair genießen, Essen gehen, Klamotten kaufen, Theater besuchen, alles mal anreissen was so eine schöne Stadt zu bieten hat. So beschloß er beim Mittagessen vom seinen Fernweh zu erzählen. Meistens hörte sein Sohn gelassen zu, während dessen er sein Smartphone weiter bediente, wenn Senior Glossi was erzählte. Fiete kannte diese Art der Kommunikation am Mittagstisch, immer über alles offen zu sprechen, ganz egal was anstand, die Küche war für die beiden Kommunikationstreffpunkt. Das hatte schon Tradition in dieser Familie, passend zu den gestellten Fragen, fielen die Antworten immer ruhig und gelassen aus. Anhand des Tipptaktes von Fiete, wußte der Vater, ob er weiter erzählen konnte oder ein neues anderes Thema anschneiden sollte. „Ich möchte mal nach wieder Hamburg fahren, hast Du Lust mit zu kommen Fiete?“, es klang fast beiläufig, als wenn Edgar nach dem Salz gefragt hätte, „Ja, das können wir machen, wann Papa?“, kam es von Fiete heraus, der in diesem Moment von seinem Smartphone abließ und seinen Vater forschend ansah. Verblüfft auf diese für Ihn positive Antwort, setzte Edgar sein Gedankengang weiter fort: „Wie wäre es zu den Herbstferien oder hast Du Termine mit Deinen Freunden?“, nun sah Edgar Fiete vielsagend an. „Nein Papa, alles gut, ich freue mich, wo wollen wir übernachten, was wollen wir in Hamburg machen?“. Mit breitem Grinsen machte Edgar seinem Sohn klar, daß er es noch nicht wüßte, was anstehe…

Nun hatte Edgar Glossi viel vorzubeireten, wußte er doch ganz genau, daß man nicht einfach so nach Hamburg fährt und Urlaub macht – https://erdigorchfock.com/2014/04/21/gedanken-an-st-pauli-kinonacht-fischmarkt-und-eine-nebelige-fahrt-auf-der-elbe/

Als erstes mußte eine Unterkunft gesucht werden, dem Geldbeutel entsprechend, es sollte schon anspruchsvoll mit einer tollen Aussicht auf Hafen, Alster und mehr sein. – Bevor ich als Erzähler weiter schreibe „in medias res gehe“, werde ich hier in dieser Geschichte keine Namen von Hotels oder Schiffeignern und Restaurants nennen, ich möchte skizzieren, was gemacht werden könnte, ganz nach meinem Prinzip alles kann nichts muß, wo war ich, ach ja – Gute Vorbereitung sind das A und O einer jeden Reise. Die Wahl des Hotels war kein Problem, mitten in einer schönen Grünanlage, mit Anbindung einer nahe gelegenden Untergrundbahn war der Ausgangspunkt für die geplanten Unternehmungen schnell gefunden. Es zahlte sich aus, daß Edgar Glossi im Internet vor Jahren einen seriösen Reiseveranstalter gefunden hatte, nun reservierte er das Hotel direkt. Da die Anreise mit der Bahn gemacht werden sollte, Egdar mochte Bahn fahren schon seit seiner frühesten Jugend, besuchte er in den darauf folgenden Tagen ein Deutsche Bahn Reisebüro. Im Gegensatz zur Hotelbuchung, machte Edgar hier keine Kompromisse, ein direkter Informationsausstausch mit einem Mitarbeiter der DB vor Ort geht schnell und spart Zeit. Je nachdem wie früh gebubcht wird, kann man hier schön tüchtig Euros sparen. Der Tag der Abreise, rückte näher. Es wurde Zeit sich um Restaurants zu kümmern, das erwies sich als schwierger als der Edgar dachte. In einer Millionenstadt sollte man ungefähr wissen, wann man wo ist, wenn sich der kleine und große Hunger einstellt. Ein kleiner Zeitplan solle schon zurecht gelegt werden, genauso ist es ein unbedingtes muß, sich vorher einen Tisch zu reservieren.

Hier griff Edgar tief in die Trickkiste, jenseits von der heut üblichen Google und Internetbewertungen Hysterie und Jagerei nach der Hotelsuche und um sich nicht zu verzetteln, machte er sich Gedanken, wo er in nur drei Stadtteilen in Hamburg gut essen könnte. Mit Hilfe von lieben Kontakten, die er im Laufe der Jahre geschlossen hatte, konnte er vorab Tischreservierungen machen und damit in super Restaurants gehen. Alles war perfekt organisiert und vorbereitet, es konnte auf große Fahrt gehen. Ein 3 Nächte, insgesamt 4 Tage Trip, mit kleinen Höhenpunkten wartete auf Fiete war fertig gestrickt.

Samstag, 04:00 Uhr Tag der Abreise. Edgar hatte seinen Koffer schon am Tag vorher gepackt, um nicht in letzter Minute was zu vergessen. Bei dieser Reise wollte er jede Minute genießen. So wurde sein Sohn pünktlich mitten in der Nacht zur führen Morgenstunde geweckt, denn um 05:00 Uhr sollte ein Taxi die beiden zum Bahnhof zum fahren. Plötzlich bemerkte Edgar, daß Fiete noch nichts gepackt hatte. Gerade noch rechtzeitig wurden beide mit dem packen, Mülleimer raus bringen, Licht aus machen fertig. Nach verlassen des Taxis am Bahnhof, stellten beide fest, daß der angegebene Nahverkehrszug 30 Minuten später fuhr als geplant. Dies konnte Edgar nicht aus der Ruhe bringen, ganz in der Art von Jules Verne „In 80 Tagen um die Welt“, konnte der Zug in Duisburg ohne Zeitnot erreicht werden. In Duisburg angekommen kam es zu ersten Geduldsprobe für beide, da vom Gleislautsprecher Ihr Intercity mit einer Verspätung von 30 Minuten angekündigt wurde. Diese Tatsache wurde mit einem Lächeln von Edgar quittiert, während dieser zusätzlichen Wartezeit suchten sie den Bahnhofsbäcker auf, um sich mit Brötchen und Getränken zu stärken. Wieder zurück am abfahrenden Gleis verkündete der Lautsprecher mit der Durchsage, daß der Zug nach Hamburg 40 Minuten Verspätung hätte. Langsam kroch ein kleiner Schauer in Fiete’s Glieder hoch, das herbstliche kalte Wetter schlug unbarmherzig zu. Edgar blieb vom Klima unberührt, für Ihn war es lange noch nicht Zeit den obersten Hemdkragenknopf zu schließen. Nach 45 Minuten hielt der Zug am Gleis, Fiete konnte endlich seine klammen Knochen im Zugabteil wärmen. Mit Blick auf die zu fahrende Route des Zuges, mußten beide laut lachen. Dieser Bummelzug fuhr durch das halbe Ruhrgebiet und hielt an jeder Milchkanne an, kein Wunder das er Verspätung hatte. Mit einer Stunde plus lief der Intercity in Hamburg Dammtor ein. Sie waren tatsächlich angekommen. In einer Geschäftsstelle des Hamburger Verkehrsverbundes (HVV) wurden die Fahrkarten für alle Transportmittel gelöst, die für diese vier Tage benötigt wurden. Mit diesen Karten konnten U – und S Bahn und auch die Hafenfähren benutzt werden. Das Hotel wurde schnell gefunden. Sehr zu Freude der beiden machte beim einschecken die Mitarbeiterin der Rezeption ein Godie Vorschlag, gewährte ein Upgrade, schickte Fiete und Edgar ganz nach oben in ein Zimmer mit wunderschönen Ausblick auf Hamburg, so hatte Edgar sich den ersten Moment des Wiedersehen mit Hamburg vorstellt.

Solange bis der nächste Teil kommt, etwas Spaß von meinem Kanal

Bis zum nächsten Mal, wünsche ich eine schönen Sonntag. Es grüßt ein Exil lebender Hamburger in NRW

Erdi Gorch Fock

Heimat, Sehnsucht und Fernweh….

Heimat, Sehnsucht und Fernweh….fängt früh an

Als kleiner Junge bin ich auf einen Stadtteil mit Inselcharakter groß geworden. Köhlbrandbrücke und der neue Elbtunnel waren noch nicht gebaut. Fast jeden Tag und bei jedem Wetter spielte ich mit Freunden am Elbstrand. Es gab immer was zu entdecken zwischen Rüschkanal und der Werft.
Meistens wurden wir fündig. Taue, Seile, Fender wurden mit gesammelten Hölzern und Brettern zusammen geschnürt bis ein Floß fertig war. Manchmal schafften es unsere „Schiffe“ nur wenige Meter, bevor wir in der Elbe Schiffbruch erlitten.

Einen großes Dankeschön an Carmilucia Dias und Gianni Ferrari. Die mir erlaubt haben, dass ich Ihre schönen Bilder für meine Geschichte benutzen kann.

Eines Tages entdeckte ich ein altes Buch, es war voll kommen durchtränkt, einige Seiten waren kaum noch zu entziffern, neugierig blätterte ich darin. Es war eine Erzählung von fernen Ländern, gespickt mit ein paar Bildern. Ein Bild von einer schönen Frau, …

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Bevor ich weiter lesen konnte, mussten einige Seiten noch trocken werden. Ich legte das Buch auf einen Stein und baute mit meinen Freunden in der Zwischenzeit ein Floß. Diesmal sollte es halten, die Ebbe meinte es gut mit uns, alles was halbwegs geeignet und tauglich war, wurde zusammen gebunden. Diesmal wollten wir wollten auf die Elbe. Mutig und der „See“ trotzend, schafften wir es bis zur Mitte des Rüschkanals. Wir konnten auf der anderen Seite schon den Schiffsanleger sehen. Zu spät bemerkten wir die Fähre, die in unseren Seitenkanal einfuhr. Wir versuchten so schnell es ging wieder ans Ufer zu steuern. Das Schicksal nahm seinen Lauf, unser Floß löste sich in all seine Bestandteile auf. Ein letzter sehnsüchtiger Blick auf „ Teufelsbrück “ und schon waren wir wieder unter gegangen. Da es langsam dunkel wurde, lohnte es sich nicht ein neues Floß zu bauen und so Patsche nass, wie wir waren, eilten wir nach Hause.

Nachdem ich trockene Sachen an halte, war es Zeit für das Abendbrot. Unter schmunzelnden Blicken meiner Eltern erzählte ich, wie wir es fast geschafft hätten in die Welt hinaus zu fahren. Langsam wurde es Zeit ins Bett zu gehen. Ich träumte in dieser Nacht von einer langen Reise.

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Von fernen Inseln und Menschen. Unruhig wälzte ich mich hin und her. Meine Gedanken drehten sich. Halten wir ein seetüchtiges Schiff, war genug Proviant an Bord ? Welche Gefahren lauerten auf See? Eine Schiffssirene heulte auf einmal und ich sah den Klabauter mit seiner Mannschaft auf mich zu kommen. Sein Geisterschiff

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war nahe und zum entern bereit, wie sollte ich entkommen…….

Ich wachte auf und stellte fest, dass es mein Wecker war, der da so schrillte und mich aus meinen Träumen riss. Nun musste ich mich fertig machen für die Schule. Was für ein seltsamer Traum, dachte ich die ganze Zeit. Auf meinem Schulweg erzählte ich meinen Freunden, was ich in der Nacht geträumt hatte. Plötzlich fiel mir das Buch wieder ein. Ich hatte es vollkommen vergessen.

Ich wollte es doch noch lesen und blättern. In mir brodelte es. Hoffentlich steig die Flut nicht so hoch und nimmt mir mein Buch weg, dachte ich. Endlich war die Schule aus, halb rennend ging es nach Hause. In aller schnelle verputze ich mein Mittagessen. Ich wollte so schnell wie möglich mit meinen Freunden nach dem Buch sehen. War es noch da…….. es schauerte mich daran zu denken.

Wir kamen an unseren kleinen Elbstrand. Die unteren Ufersteine waren geflutet, mein Buch war weg. Traurig auf das Wasser blickend, sah ich ein Blatt treibend auf der Elbe. Ich konnte es heraus fischen. Es war eine Seite des gesuchten Buches, besser es war ein Foto, dessen Titel ich nie wieder vergessen werde.                         
                                                              —  Amazonas –  

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Nun war meine Sehnsucht, mein Fernweh nach fremden Ländern geweckt…………… Heute bin ich in Nordrheinwestfalen gestrandet. Wenn ich manchmal am Rhein stehe und über die Wellen blicke, lächele ich still vor mir hin und denke an meine Heimat, wo alles begann………..