Karneval für mich

Der Karneval, einer der Gründe warum ich nach NRW gezogen bin. Eine Werbung für den Karneval konnte ich, als Exil lebender Hamburger, mal in einem beleibten Reisemittel erleben. Vielleicht waren ein paar Norddeutsche bei dieser Fahrt dabei und erinnern sich mit mir.

Meine erlebte Reise fand vor einigen Jahren statt, am Altweiber, Richtung Köln. Beim Einstieg in Hamburg, früh morgens, nahm ich ruhig und zurück haltend in einem Großraumwagen meinen Platz ein. Im Laufe der Fahrt wurden die Fahrtkarten kontrolliert, pünktlich erreichten wir Bremen. Bei der Weiterfahrt des Zuges kam über Lautsprecher die Ansage, das ein Personalwechsel stattgefunden hat. Das Zugpersonal stellte sich folgend vor. „ Meine Damen und Herren, werte zugestiegene Jecken, der Zug ist nun bis Köln in rheinischer Hand, dass heißt, wir werden eine erneute Fahrkontrolle durchführen, bitte halten sie Ihre Fahrscheine bereit, die Zugbegleiter mit dem roten Frisbee auf dem Kopf und der Konfettilochmachine werden nun schunkelnd durch die Wagen gehen.“ Der Lautsprecher blieb an und wir hören Karnevalslieder zur Unterhaltung.
In unserem Abteil, dem Norddeutschen, von A nach B fahrend, wurde nun klar, dass die fünfte Jahreszeit uns fest im Griff hatte. Zweifellos, war ich im richtigen Zug und über meine Lippen kam ein fröhliches “jönne könne, Kölle Alaaf“. Einige von den Passagieren blickten erwartungsfreudig dem Ein-und Ausgangsbereich entgegen. Nichts tat sich, bis wir etwas quietschend rollendes hörten. Es war der Getränkewagen, leicht zu erkennen am angebrachten Plakat mit „ Kaffee, Kölsch, Kamelle“. Ein gelungener Auftritt, der von einigen mit Helau begrüßt wurde.
An den nächsten Aussteige Bahnhöfen wurden wir nun darauf immer mit „Niemals geht man so ganz“ an den nächsten Haltepunkt erinnert. Der nächste Halt wurde mit: „Bis Münster,Duisburg,Düsseldorf blieve wir beisamme“ angekündigt.
Der Schaffner drehte seine Runde, ich schmunzelte, da hier die gezeigten Fahrkarten auf Kölsch kommentiert wurden. Ich wurde mit den Worten: „Da trinkste Du einen mit“ kontrolliert.
Langsam erreichten wir Düsseldörp- äh Düsseldorf – „die Stadt mit ungenießbarem alten Bier“ Der Zug war nun vollends in Jeckenhand, die hinzu gestiegenden Passagiere wurden bei „Gefallen bebützt“ und de „Schätzelein’s“ mit „Hier ist noch ein Platz frei“ begrüßt.
Kurz vor Köln, wie konnte es anders sein, verabschiedete sich unser Zugpersonal Form vollendet mit: „Die Karawane zieht weiter, der Sultan hätt Doosch, wer Wieverfastelovend noch de Rathuus stürmen möchte, müsste nun aussteigen, da hier bei Köbes das Kölsch auf uns wartet und wir nun in de richtigen Stadt am Rhin seien.“
Nun war ich in meiner neuen Heimat angekommen, „Schabau und Kölsch lag in der Luft“. Fröhlich bildete sich eine Traube von „alten Weiber und gut gebauten Seemännern“ die alle zum Rathaus schunkelten um an Bürgermeister’s Slips und Schnürsenkel zu kommen.

Ich denke immer wieder gerne an diese Geschichte zurück. Im Laufe der Jahre, nun da ich schon lange hier lebe, sind die Jecken und Narren in NRW’s Karnelvals Hochburgern weniger geworden. Es ist dieses Gefühl, das sich immer wieder bei mir einstellt, ich meine, sich mal fallen lassen und sich selber mal nicht zu ernst nehmen. Einmal abschalten, Zeit nehmen, mit Gleichgesinnten zu schunkeln und ein Schätzelein in Arm halten. Laßt Euch mal treiben, wenn de Zug kütt und es Kamelle regnet.
Wer als Norddeutscher was ähnliches erlebt hat, ist herzlich eingeladen, es mir in meiner Kommentar Zeile zu schreiben. Ich wünsche Euch allen ein schönes Ahoi, Helau und Kölle Alaaf.

3 Gedanken zu “Karneval für mich

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